Akademischer Dialog: „Angola – Das unbekannte Land“

Folgen des Bürgerkrieges noch spürbar

(geschrieben von Steve Nebel)

Im Rahmen des Akademischen Dialogs [Hochschule Mittweida (HTWM)] hielt Rainer Grajek am 07. Oktober 2008 einen Vortrag über „Angola – das unbekannte Land“. Er arbeitete in  der Stadt Lubango, die in der Provinz Huila im Süden des Landes liegt, als Professor für Geschichte. Dabei berichtete er unter anderem über die sozialen Probleme im Land an der südwestlichen Küste Afrikas.

akademischer dialog angolaDie Hälfte der 16 Millionen Einwohner Angolas haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, obwohl Angola als Nummer eins der Ölexporteure Afrikas im Jahr über 18 Milliarden Dollar verdient. Diese Widersprüche lassen sich mit der Geschichte Angolas erklären, die Rainer Grajek gleich zu Beginn seines Vortrages vermittelte. Eine Geschichte, die von portugiesischer Kolonialherrschaft und dem Zusammenleben verschiedenster Stämme in einem Land geprägt ist.

41 Jahre Krieg

Der Unabhängigkeitskampf gegen die Kolonialherren aus Portugal dauerte 14 lange Jahre und konnte erst 1975 beendet werden. Doch die neu errungene Freiheit wurde gleich darauf durch einen blutigen Bürgerkrieg aufs Spiel gesetzt. Die drei größten Bevölkerungsgruppen stritten um die Macht im Land. Durchsetzen konnte sich am Ende die MPLA, eine breite Front antikolonial gesinnter Kräfte aus allen Gesellschaftsschichten. Die MPLA ist eine von Agostinho Neto gegründete, sozialistisch geprägte Partei. Sie ist bis heute unumstrittener Machtinhaber in Angola. Die UNITA des Jonas Savimbi hatte im Volk der Ovimbundu ihre ethnische Basis. Der Bürgerkrieg endete erst 2002 mit einem offiziellen Waffenstillstand.

Die Folgen des Bürgerkrieges sind allgegenwärtig. Mit geschätzten 12 bis 15 Millionen Landminen im Boden Angolas, belegt das Land weltweit den traurigen ersten Platz. Damit kommt auf fast jeden Einwohner eine Mine. Warscheinlich war es dieser Umstand, der den norwegischen Regisseur, Morten Traavik, dazu inspirierte, dieses Jahr die umstrittene „Miss Landmine-Wahl“ in Angola zu veranstalten. Diese Wahl soll, so der Veranstalter, mehr Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und den Verstümmelten mehr Selbstvertrauen schenken. Als Preisgeld gab es, die für angolanische Verhältnisse, große Summe von, umgerechnet 1600 Euro. Eine norwegische Prothese inklusive. Viele der Minenopfer in Angola können sich keine Protese leisten.

Hoffnung liegt in der Jugend

Angola zählt zu den ärmsten Ländern der Welt, denn zwei Drittel der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Das bedeutet, sie haben weniger als zwei Dollar am Tag zum Leben. Das ist nicht überraschend bei einer Arbeitslosenquote von 65 Prozent. Mit solchen Statistiken schockierte Rainer Grajek die Anwesenden, aber nicht ohne auf die Hoffnung des Landes aufmerksam zu machen: die Jugend.

Die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 14 Jahre und Angola hat zu ihrer Förderung die Schulpflicht eingeführt. Leider schätzen Experten, dass Angola erst im Jahre 2015 die notwendigen Einrichtungen und Hilfsmittel haben wird, um diese auch vollständig realisieren zu können. Doch gibt es die Hoffnung, dass die Reichen ihr Geld in dieses geistige Potential stecken, anstatt in Luxusgroßprojekte, wie den höchsten Turm von Afrika zu erbauen.