Auf Spurensuche – Gymnasiasten sammelten Alltagsgeschichten und verfassen ein Lesebuch

Sächsische Zeitung vom 25. März 2002, geschrieben von Matthias Fischer

Nicht für jeden Schüler ist der Geschichtsunterricht in der Schule das Lieblingsfach. Oft stehen die Ereignisse der letzten Jahrzehnte allgemein und trocken in den Büchern und Alltagsgeschichten von einzelnen Personen haben da oft keinen Platz. Um diesen Nachteil der Geschichtsbücher zu umgehen, hatte Oberschulrat Rainer Grajek vom Großenhainer Werner-von-Siemens-Gymnasium eine tolle Idee. Vor drei Jahren animierte der Geschichtslehrer 41 Schüler aus den Klassen sechs bis zwölf, ein Geschichtslesebuch zu schreiben.

Mit großer Begeisterung befragten die Schüler von 1999 an 41 Personen aus der Region Großenhain. Um an interessante Storys heranzukommen, horchten sie sich in der Verwandtschaft um und interviewten vor allem ältere Personen. Bei ihrer Spurensuche erfragten sie zum Beispiel den Alltag während des Zweiten Weltkrieges.

Am vergangenen Freitag war es dann soweit. Eine kleine Gruppe aus der Klasse 12 f, die an diesem Projekt gearbeitet hat, stellte Auszüge aus dem zukünftigen Lesebuch vor. Mit großer Gespanntheit lauschten die rund 125 Besucher in der Außenstelle des Gymnasiums den Erzählern. Die literarische-musikalische Veranstaltung dauerte zwei Stunden. Einige Beiträge trugen die Großenhainer Schüler-Historiker in Interviewform vor. So lernten auch die Gäste die angewandte Arbeitsweise der Schüler mit den Zeitzeugen kennen. Dabei waren die Erzählungen sehr bildlich vorstellbar. Die Lesung umspannte die Zeit vom Ersten Weltkrieg bis heute. Die Besucher der Veranstaltung „Spurensuche“ konnten einen Auszug aus einem Brief hören, den ein Soldat von der Front im Zweiten Weltkrieg geschrieben hatte. Man bekam einen Eindruck von der Situation und den Wünschen des Mannes. Auch die Bräuche in den Dörfern der damaligen Zeit war ein Thema. Zwischen den einzelnen Lesestücken erklang Musik, manche Geschichte wurde auch instrumental begleitet.

Diese gesammelten Beiträge von Zeitzeugen werden demnächst im Internet abrufbar sein. Später soll ein Lesebuch erscheinen, Zusatzlektüre für den Geschichtsunterricht. Projektleiter Rainer Grajek war sehr zufrieden mit den Resultaten der „Spurensuche“. Das Projekt soll weiter geführt werden.