Archiv der Kategorie: Interviews mit Wohnungslosen

Das Schicksal Obdachloser wird von der Öffentlichkeit oftmals falsch wahrgenommen. Die nachstehenden literarischen Gestaltungen zweier Lebensläufe sollen an konkreten Beispielen zeigen, wie der Abstieg aus einem „normalen“ Leben in die Obdachlosigkeit mit all ihren Problemen verlaufen kann. Ich habe die beiden Wohnungslosen 2007 getroffen und interviewt, um deren Lebensgeschichte nacherlebbar zu machen.

Spurensuche

Ich bin kein Drogen-Junkie. Ich bin kein Trinker. Ich arbeite gern. Habe nichts verbrochen. War nicht im Gefängnis. Ich bin jung. Bin 1,75 Meter groß und sehe annehmbar aus. Raucher.

Aus meiner Sicht bin ich ein normaler Mensch. Aber ich bin im Obdachlosenheim gelandet! Landen normale Menschen im Obdachlosenheim? Oder bin ich nicht so normal wie andere Mitbürger? Wo liegt mein Problem? Verdammt, was habe ich aus meinen 25 Jahren gemacht!

Ich bin auf Spurensuche in mir selbst. Warum bin ich so wie ich bin? Meine Suche beginnt in meiner Kindheit.

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Sonntagskind

Jener 19. September, an dem ich geboren wurde, soll ein Sonntag gewesen sein. Als ich in einem Alter war, in dem ich die Bedeutung dieses Ausspruches erfassen konnte, wiederholte ihn meine Mutter gelegentlich, um mir seinen Sinn zu verdeutlichen: Sonntagskinder sind Glückskinder. Das Glück ist ihnen gewissermaßen in die Wiege gelegt, und die sonntägliche Geburt ist die Garantie dafür, dass es den neuen Erdenbürger ein Leben lang begleitet.

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