Das „Grande Hotel“ in Beira

Das ehemals größte und schönste Hotel des südlichen Afrika, das „Grande Hotel“, steht in der mosambikanischen Stadt Beira. Wenige Jahre nach seiner Inbetriebnahme wurde es zur Unterkunft von Militär und Polizei und diente später als Zufluchtsort der Flüchtlinge im mosambikanischen Bürgerkrieg. Heute existiert es als Ruine, in der 3500 Menschen ohne Strom, Wasser und sonstigen Komfort hausen. Das Hotel ist trotz einer zwischenzeitlichen Reinigung durch österreichische Organisatoren vermüllt und ein ständiger Krankheitsherd für seine Bewohner.

Der „Bürgermeister“ der „Hotelbewohner“ bestätigte mir im Gespräch (August 2012), dass es gegenwärtig keine Möglichkeit einer Umsiedlung der Bewohner in normalen Wohnraum in der Stadt Beira gibt. Obwohl die Menschen ihr Leben in der Ruine organisieren (es gibt private Verkaufstände) und sich bemühen, den eigenen Wohnbereich sauber zu halten, ist der endgültige Verfall unaufhaltsam und nach unseren Eindrücken nur eine Frage der Zeit.

Das „Grande Hotel“ (auch  „Weißer Elefant“ genannt) wurde am Samstag, dem 16. Juli 1955 als “Stolz Afrikas” eröffnet. Der Architekt Francisco de Castro schuf es im Auftrag der portugiesischen „Mosambik-Gesellschaft“. Stil: Art déco. Kosten: 90 Millionen Escudos (entspricht heute einem Wert von etwa 31 Millionen Euro). Es enthielt 122 Luxussuiten und war nur selten ausgebucht. 1963 erfolgte seine Schließung, nur die Konferenzräume und das Schwimmbad blieben in Betrieb.

Ab 1975 (Jahr der Unabhängigkeit Mosambiks) diente es als Gefängnis und Soldaten- und Polizistenunterkunft. Es waren auch Soldaten aus Simbabwe untergebracht, die zur Sicherung der Bahnlinie “Beirakorridor” auch die Stadt Beira zu schützen hatten. 1980 fand nochmals eine offizielle Silvesterfeier im Hotel statt.

Im Verlaufe des Bürgerkrieges (1976 bis 1992) besetzten Flüchtlinge aus verschiedenen Landesteilen das Gebäude. Diese verkauften die Inneneinrichtung, u.a. Holzfußböden, Lampen, Teppiche, Waschbecken, Möbel,das Metall der Fahrstühle, Fensterglas.

Heute leben mehr als 3000 Menschen in etwa 800 „Wohnungen“. Die Räume wurden mit Brettern und Planen zu „casas“ aufgeteilt. Die Situation: kein Strom, kein Wasser, keine Sanitäranlagen, offene Lichtschächte, Müllhaufen vor und im Hotel. Regen dringt ein. Schmutz, Verfall, Schimmel, Kot. Kleine Verkaufsstände auf den Etagen. Spielende Kinder.

Die in Zeitungsberichten hervorgehobenen asozialen Zustände (Gewalt, Prostitution, Drogen) spielen keine dominierende Rolle!

Das Hotel wurde mehrfach durch die Polizei geräumt, jedoch immer wieder besetzt. Schließlich wurde es von der Eigentümergesellschaft der Stadt Beira geschenkt.

Von der Dachterrasse (Terraca de telhado) bietet sich eine gute Sicht über die Stadt.

2010 wurde Carlos Carlos zum “Secretário do Hotel” gewählt.

2011 organisierten die Österreicher Birgit Reiter und Volkmar Überacker eine Initiative zur Reinigung des Hauses. Nach 6 Wochen waren der Lichtschacht und die Terrasse sauber. 160 Müll-Container wurden gefüllt und abtransportiert. Die Stadt Beira versprach, vor dem Gebäude ausreichend Müllcontainer aufzustellen, um eine erneute Verschmutzung zu verhindern. Das Versprechen hat die Stadt aber nicht eingelöst.

Leben im Hotel:
  • Anschrift: Beira, Avenida Afonso de Paiva; Gebäude Nr. 2; 3. Bezirk: Ponta Gêa
  • Kirche: “Igreja Jesus Cristo é a Solucao” (Kirche Jesus Christus ist die Lösung). Im Erdgeschoss, früherer Konferenzraum
  • Moschee: in der ehemaligen Poolbar; jeder 5. Bewohner ist Moslem
  • Gericht: im Foyer der zweiten Etage, Zimmer 211; Richter: Joao António da Silva
  • Hotelchef (den wir am Ausgang trafen): Joao Goncalves. Er ernannte 4 Block-Chefs (je einen für die 4 Block-Flügel)
  • Pool: wie gesehen: leer; Regenwasser; Abfälle
  • bei Wegzügen verkaufen die Bewohner ihre “Casas” für 200 bis 300 Euro (umgerechnet in Meticais oder Rand)

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