Die staatlichen Beziehungen zwischen der DDR und Afrika. Das Beispiel Mosambik.

Mit dem Übergang in die nationale Unabhängigkeit 1975 setzte sich die siegreiche FRELIMO (Gründung 25.06.1962) nicht nur für die Befreiung des mosambikanischen Volkes von kolonialer Ausbeutung, Tribalismus, Rassismus und Rechtlosigkeit ein. Sie begann sofort, das Analphabetentum zu bekämpfen und die kulturelle Vielfalt der 32 Ethnien zu erhalten. Wie eng sie die Verbindung von Bildung und Kultur sah, äußerte sich in der Gründung des „Ministeriums für Erziehung und Kultur“ („Ministério da Educação e Cultura“; MEC). Da dem Staatspräsidenten und FRELIMO-Führer Samora Moises Machel die große Bedeutung dieses Ministeriums für die Entwicklung des jungen Staates bewusst war, setzte er seine Frau Graça an die Spitze dieser Einrichtung.

Die DDR hatte sich schon in der Zeit des bewaffneten Befreiungskampfes (Beginn: 25.09.1964) mit der FRELIMO (als breiter Volksfront) solidarisiert und umfangreiche Unterstützung gewährt. Das reihte sich in die außenpolitische Zielsetzung der DDR ein, den Sozialismus auf dem afrikanischen Kontinent zu verankern. Bereits in den 60er Jahren wurde die DDR von afrikanischen Ländern staatlich anerkannt. Neben materieller Solidarität leistete die DDR Hilfe in der politischen Aus- und Weiterbildung sowie auch in der Berufs- und Hochschulausbildung. Die Führung der FRELIMO war tief im Volk verwurzelt und wollte die auf den Parteikongressen beschlossenen Ziele auch mit Unterstützung der DDR realisieren. Für beide Seiten bedeutete die wirtschaftliche, politische, wissenschaftlich-technische und wissenschaftlich-kulturelle Zusammenarbeit Neuland, auf dem es Erfahrungen zu sammeln galt. Nach gegenseitigen Besuchen Samora Machels und Erich Honeckers wurden am 24.02.1979 ein Vertrag über Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen der DDR und der Volksrepublik Mosambik und ein Programm über langfristige wirtschaftliche Zusammenarbeit beschlossen. In der Folgezeit wurden mehr als 80 bilaterale Verträge vereinbart und (teils zu) große landwirtschaftliche und industrielle Projekte ins Leben gerufen. Etwa 7200 Experten, Spezialisten, Funktionäre, Lehrer und Techniker aus der DDR waren zwischen 1977 und 1990 in Mosambik tätig. Fortan lieferte die DDR LKWs, unterstützte die Kohleproduktion in Moatize, half in der Landwirtschaft und im Fischereiwesen. Allein 1983 waren etwa 1000 DDR-Bürger als Spezialisten in Mosambik aktiv.

Die Arbeit der DDR-Kooperanten und ihrer mosambikanischen Partner fand unter den Bedingungen eines mörderischen Bandenkrieges statt. Die „bandidos armados“ (bewaffnete Banden) wurden von Südafrika und Südrhodesien unterstützt. Banden der RENAMO (Resistência Nacional de Moçambique; Nationaler mosambikanischer Widerstand) töteten Entwicklungshelfer aus der DDR. In den 80er Jahren kamen tausende Mosambikaner als Arbeitskräfte in die DDR. Staßfurt öffnete 800 bis 900 mosambikanischen Schülern eine Bildungsmöglichkeit.

Die DDR sah sich nie als Nachfolger früherer deutscher Staaten in Afrika. In Mosambik zeigte sich das in ihrer Unterstützung des Befreiungskampfes und später in den Abkommen zum Warenaustausch, der beiden Seiten Vorteile brachte. Es war nicht zuletzt der DDR, der Sowjetunion und Kuba zuzuschreiben, dass sich die FRELIMO 1977 zur avantgardistischen marxistisch-leninistischen Partei erklärte. 1983 bestätigte Samora Machel auf der Berliner Karl-Marx-Konferenz seine Übereinstimmung mit den sozialistischen Idealen. Allerdings fiel es der DDR zunehmend schwerer, den Erwartungen des Landes bezüglich materieller Unterstützung nachzukommen. Dazu kam, dass auch Angola in seiner Entwicklung unterstützt werden musste, da der Befreiungskampf im benachbarten Namibia noch im Gange war, der von Angola aus gelenkt wurde.

Die Hilfe der DDR für Mosambik auf kulturell-wissenschaftlichem Gebiet war intensiv und erfolgreich. Dazu gab es keine gesonderten Kulturabkommen. Kultur war stets in Einheit mit Bildungsprojekten verbunden.

Im MEC gestalteten und erarbeiteten wir mit den mosambikanischen Kollegen die Grundlagen des neuen Bildungs- und Erziehungssystems (Sistema Nacional de Educaçao; SNE; per Gesetz 4/83 in Kraft gesetzt) und halfen praktisch bei der Ausbildung von Lehrern und Lehrerbildnern. Mosambik revanchierte sich mit der Entsendung von (bis zu) 21 000 Arbeitskräften 1989/90, was dem jungen afrikanischen Staat zu Devisen und der DDR zur notwendigen Besetzung freier Produktionsplätze verhalf.

Ab 1983/84 war das Engagement der DDR in Mosambik rückläufig. Wirtschaftliche Nöte zwangen die Volksrepublik, sich dem Westen zu nähern und gegen finanzielle und ökonomische Unterstützung Ergebnisse des revolutionären Kampfes zu opfern.

Noch heute spricht man in Mosambik mit großer Hochachtung vom Wirken der „Cooperantes d a RDA“ (Entwicklungshelfer der DDR).  Viele der mosambikanischen Vertragsarbeiter gingen ab 1990 in ihre Heimat zurück und legten dort Zeugnis von einer ihnen vorher unbekannten Kultur ab.