Ein interessanter Fakt führt zum nächsten

Sächsische Zeitung vom 04./05. Oktober 1997

Ein interessanter Fakt führt zum nächsten. Der Riesaer Rainer Grajek ist Geschichtslehrer am Gymnasium Großenhain.

Warum beschäftigt sich ein Riesaer mit Großenhainer Berühmtheiten? Rainer Grajek, seit 1966 in der Elbestadt ansässig, ist Geschichtslehrer am hiesigen Gymnasium und interessiert an allem, was Regionalgeschichte ist. Sein Privatarchiv zur Großenhainer Vergangenheit verrät ihm so manches über Persönlichkeiten, die er für würdig hält, einer Einrichtung wie dem Gymnasium ihren Namen zu verleihen. Grajek leitet in der 11. und 12. Klasse den Leistungskurs Geschichte, er hat aber auch in den unteren Klassen Unterricht.

Der gebürtiger Zeitzer und gelernte Schlosser studierte in Dresden Kunsterziehung und Geschichte. Historie interessiert ihn, weil er „darin die Spuren menschlichen Handelns verfolgen“ kann. „Es ist sogar möglich. Vorgänge hautnah mitzuerleben“, schildert Grajek in Phänomen, das auch andere Heimatforscher bei intensiver Beschäftigung mit früheren Zeiten kennenlernen.

Nachdem er als Lehrer in Freiberg tätig war und in der Fortbildung arbeitete, ging er 1980 ins Ausland. In afrikanischen Staaten schulte er dortige Lehrkräfte, forschte mit Studenten zu Kolonial- und Regionalgeschichte. In Mosambik schrieb er zwei Lehrbücher. Nach seiner Rückkehr wurde er stellvertretender Schulamtsleiter und Schulrat für Fortbildung. Schon zu DDR-Zeiten setzte er sich mit pädagogischer Methodik berufsbegleitend an der Akademie der Wissenschaften in Berlin auseinander. Wie man Geschichte plastisch machen kann, wie sich ein Heimatforscher auch mit problematischen Zeitthemen auseinandersetzt, diesen Fragen will sich Rainer Grajek immer wieder stellen. „So stoße ich von einem interessanten Fakt auf den nächsten.“

Seit Bildung der Gymnasien ist der Oberstudienrat in Großenhain tätig. Von den 23 Teilnehmern seines vorherigen Leistungskurses Geschichte brachten es 11 beim Abitur auf die Note eins – das gab es im Vorjahr an keinem anderen sächsischen Gymnasium, weiß der Lehrer. „Es gibt viele geschichtsinteressierte Heranwachsende“, ist sich Rainer Grajek sicher. Sein Ziel ist es, ihre Aufgeschlossenheit auch durch mehr Kontakt zum Großenhainer Stadtarchiv zu erhalten.