Facebook-Plausch mit Nelson Mandelas Frau

Sächsische Zeitung, 7.05.2013, von Manfred Müller, zum Originalartikel geht es hier

Der Riesaer Rainer Grajek war Entwicklungshelfer in Mosambik und Angola. Jetzt arbeitet er an seinem zweiten Afrika-Buch.

Afrika lässt ihn nicht los: Rainer Grajek im Arbeitszimmer seiner Riesaer Wohnung.

Rainer Grajek hat Afrika von vielen Seiten kennengelernt. Die Hoffnung nach dem Ende des Kolonialismus. Die Schrecken zweier Bürgerkriege. Die Savannenlandschaften mit ihren Atem beraubenden Sonnenuntergängen. Und die extreme Armut in den Elendsvierteln der Städte. Der Riesaer arbeitete in den 1980er Jahren als Entwicklungshelfer im südlichen Afrika. Er unterrichtete in Mosambik Lehrkräfte für die Pädagogenausbildung. Und er lehrte im angolanischen Lubango Geschichte an einer Universität. „Afrika hat mich nie wieder losgelassen“, sagt der heute 76-Jährige.

Nach seiner Rückkehr kam die deutsche Einheit. Grajek, jetzt als Geschichtslehrer am Großenhainer Gymnasium tätig, verlegte sich aufs Reisen. 30 der 54 afrikanischen Länder hat er bisher besucht. Im Moment arbeitet er an einem Buch, in dem er seine Erlebnisse auf dem Schwarzen Kontinent schildert. „Ich habe keine Eile damit“, sagt er. „Aber nächstes Jahr, denke ich, wird es erscheinen.“ Rainer Grajek hat bereits 2005 ein Afrika-Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel „Berichte aus dem Morgengrauen“, und beschreibt seine Tätigkeit als Entwicklungshelfer in Mosambik. Eigentlich sollte das Buch schon zu DDR-Zeiten erscheinen, aber den Ost-Verlagen war das akribisch recherchierte und problemorientiert geschriebene Manuskript nicht geheuer. Es hagelte Ablehnungen – manchmal mit dem Verweis darauf, dass hier politische Interna ausgeplaudert würden. Ernste Schwierigkeiten durfte es in einem Bruderland mit sozialistischer Orientierung nicht geben.

Dabei ist Grajeks Buch voller Sympathie und Verständnis für den Weg, den der junge afrikanische Staat einschlug. Und voller Abscheu über die Verbrechen, die die regierungsfeindliche Rebellenbewegung Renamo an der Bevölkerung verübte. Rainer Grajek lebte damals mit Frau Ute und dem kleinen Sohn in der Hauptstadt Maputo – unweit der Grenze zum südafrikanischen Apartheid-Staat, über den immer wieder bewaffnete Gruppen nach Mosambik einsickerten. Aber die Familie fühlte sich heimisch. „Wir sind in Afrika vielen offenen und herzlichen Menschen begegnet“, sagt er. „Als wir mal im Winter in Deutschland waren, sagte mein Sohn Andreas: ‚Ich will wieder nach Hause!‘“

Auch vor seinem Afrika-Einsatz hat Rainer Grajek ein bewegtes Leben geführt. In Zeitz geboren, erlernte er in der Braunkohle den Schlosserberuf, arbeitete auch kurzzeitig mal bei Wismut. Eigentlich wollte der Amateur-Boxer in Freiberg Maschinenbau studieren, entschied sich aber dann für ein Lehrerstudium in den Fächern Geschichte und Kunst. 1966 kam er an die Riesaer Karl-Marx-Schule, war später Fachberater und im pädagogischen Kreiskabinett für die Lehrerfortbildung zuständig.

Gefragter Südafrika-Experte

Geschichte ist auch heute noch Grajeks große Leidenschaft. Spricht man mit ihm über seine Reisen, hat er immer ein gutes Maß an historischen Fakten parat. Außerdem ist Rainer Grajek in akademischen Kreisen ein gefragter Experte für das südliche Afrika. Gerade sind zwei Fachbücher erschienen, zu denen er Kapitel über Religion und Sozialpolitik in Mosambik und Angola beigesteuert hat. Der agile Pensionär betreibt unter www.rainergrajek.de eine eigene Website und pflegt auch heute noch viele Kontakte zu seinen afrikanischen Kollegen und Bekannten. Ab und zu korrespondiert er über Facebook mit Graca Machel, der Ehefrau von Südafrikas Nationalhelden Nelson Mandela. Die Menschenrechts-Aktivistin war in den 1980ern mit Mosambiks Präsidenten verheiratet und als Erziehungsministerin Rainer Grajeks Chefin. Und so plauscht ein Riesaer übers Internet mit einer zweifachen First Lady.