Geschichtsunterricht in Mosambik

Kommentar zum Verständnis des folgenden Artikels

Angeregt durch ein kürzliches Fachgespräch mit einer Wissenschaftlerin der Universität Gießen zu einem Aspekt des Themas „Bildung und Erziehung in der Volksrepublik Mosambik“ geriet eine für eine Fachzeitschrift von mir angefertigte Arbeit in das Blickfeld unserer Diskussion.

Dieser Artikel wurde 1986 geschrieben und gibt einen Überblick über die Entwicklung des Bildungs- und Erziehungswesens Mosambiks unter Berücksichtigung der historischen Hintergründe. Zum Verständnis der Darstellung sei gesagt, dass damals der Marxismus-Leninismus als Basis jeder wissenschaftlichen Darlegung benannt und in Bezug auf die Historie der dialektische und historische Materialismus bestätigt werden musste. Dieser Form hatte jeder Autor Genüge zu tun.

In den Zielstellungen des mosambikanischen Erziehungswesens hat die Frelimo auf der Einhaltung dieser von den östlichen Unterstützungsländern vorgegebenen Regeln bestanden und sie in ihrem Sinne benutzt. So sind die unter der Rubrik „Erziehung des Homem Novo“, der sozialistischen Persönlichkeiten Mosambiks, im SNE (Sistema Nacional de Educação) angegebenen Bildungs- und Erziehungsziele meist solche, die den tatsächlichen Bedürfnissen der vom Kolonialismus befreiten Gesellschaft entsprachen, ihre Sehnsucht nach einem von Sklaverei, Tribalismus, Hunger, Krankheit und Obskurantismus befreiten Leben ausdrückten.

Dabei spielte vor allem in den Reden Samora Machels die Notwendigkeit, aus den verschiedenen Völkern und Stämmen des Landes eine Nation zu formen, eine vordergründige Rolle. Unausbleiblich tauchten dabei Begriffe wie Heimat, Patriotismus und Vaterland auf.

In unseren Wertungen gelangten wir gelegentlich euphorisch-optimistisch zu perspektivischen Fehleinschätzungen (siehe „Zur gegenwärtigen Situation“), die in diesem Falle schon 1987 und in den folgenden Jahren von der gesellschaftlichen Wirklichkeit ad absurdum geführt wurden. In der Folge des Untergangs des sozialistischen Weltsystems, des von Südafrika geführten nichterklärten Krieges gegen das junge unabhängige Mosambik und des zerstörerischen Wütens der RENAMO-Banden sowie der ökonomischen Schwäche des Landes hatte das SNE mit seinen Zielsetzungen keine Chance zur Verwirklichung. Es verschwand mit der politischen Wende in Mosambik.

Ein neues Bildungs- und Erziehungssystem ist im Entstehen und entwickelt sich auf schwankendem Boden.

Was bleibt, ist die Erinnerung an die gewaltige Leistung der FRELIMO, die, ausgehend von den Ideen Mondlanes, gemeinsam mit Unterstützung solidarischer Kräfte ein Bildungs- und Erziehungssystem schuf, das den Mosambikanern die geistige Befreiung vom Kolonialismus und den Anschluss an die freie moderne Welt gesichert hätte.

Der Artikel fasst die Schwerpunkte und Zielstellungen dieser Konzeption in seinen Grundlagen und am Beispiel des neu konzipierten Geschichtsunterrichts zusammen und wertet sie aus der Sicht des Jahres 1986.

Rainer Grajek, 2. Dezember 2013

Anmerkungen:

FRELIMO Frente de Libertação de Moçambique: Mosambikanische Befreiungsfront, gegründet 1962
Frelimo Veränderte Schreibweise nach der Umwandlung der Befreiungsfront in eine avantgardistische Partei 1977 (III. Kongress)

Geschichtsunterricht in Mosambik

Als der damalige Präsident der Volksrepublik Mosambik 1981 feststellte, „Das nationale Erziehungssystem ist revolutionär und volkstümlich in seinen Prinzipien, in seinen Zielen und im Prozess seiner Materialisierung.“ /1/, befand sich das Land im sechsten Jahr seiner politischen Unabhängigkeit, konnte die Frelimo auf neunzehn Jahre Erfahrungen im Kampf für eine wahrhafte Volksschule in Mosambik zurückblicken. Seit ihrer Gründung hat die FRELIMO den Kampf um Bildung für alle Kinder des Volkes als untrennbaren Bestandteil des Kampfes gegen das portugiesische Kolonialsystem betrachtet. Die Aussage Samora Machels macht den gewaltigen Aufschwung deutlich, der sich im Lande in historisch kurzer Frist auf dem Gebiet des Volksbildungswesens vollzogen hatte. Das Erreichte war dem mosambikanischen Volke schwergefallen, denn es wurde errungen im Kampfe gegen die innere Konterrevolution, unter den Bedingungen des nichterklärten Krieges, den das Apartheid-Regime Südafrikas gegen seinen Nachbarn führte und unter der Last der kolonialen Hinterlassenschaft.

1.      Das koloniale Erbe

Der Gründer und erste Präsident der FRELIMO, Eduardo Mondlane, beschreibt das in Mosambik vor der Erreichung der Unabhängigkeit existierende Bildungssystem:

„Es gibt zwei Kategorien im Schulsystem der portugiesischen Territorien: 1. die Schulen der römisch-katholischen Missionen, deren Hauptfunktion es ist, den Afrikanern Elementarunterricht zu gewähren; 2. das offizielle Schulsystem, besser ausgestattet, bestimmt für Weiße, Asiaten und Assimilierte (assimilados: eine privilegierte schwarze Minderheit; d. V.).“ /2/ Die Schulen für Afrikaner waren nach einem Drei-Phasen-System organisiert. Der Anfangsunterricht (Ensino rudimentar; nach 1956 auch Ensino de adaptação genannt) hatte das Ziel, „den Eingeborenen schrittweise von einem wilden Leben zu einem zivilisierten Leben zu führen.“ /3/ Diese Phase umfasste die Bereiche Kindergarten, erste und zweite Klasse.

Die Phase des Ensino primário war den Schülern vorbehalten, die den ensino de adaptação absolviert hatten. Die Schulen für Weiße, Assimilierte u.a. schlossen den ensino primário bis zur fünften Klasse ein; letztere war Voraussetzung für den Lyzeums-Besuch. Das erfolgreiche Durchlaufen der drei Zyklen in den Lyzeen (sieben Jahre) war die Basis für ein Studium an einer portugiesischen Universität.

Welche Funktion das portugiesische Bildungssystem in den Kolonien wahrnahm, geht aus einer Feststellung Mondlanes hervor:

„Die drei Bildungsphasen – rudimentar, primário und secundário (in den Lyzeen; d. V.) –   sind praktisch so organisiert, dass sie dem afrikanischen Kind, das eine höhere Bildung zu erreichen versucht, eine Reihe von Hindernissen in den Weg legen.“ /4/

Die meisten mosambikanischen Kinder waren vom Schulbesuch ausgeschlossen. Ein überzogenes Prüfungsverfahren erschwerte den schwarzen Schülern den Übergang von der Primar- zur Sekundarstufe. Ein Blick in die Lehrbücher aus jener Zeit beweist, dass in der Hauptsache Portugiesisch und die Geschichte Portugals gelehrt wurden. Die anderen Stunden waren durch Religion, Handarbeit und landwirtschaftliche Tätigkeit ausgefüllt. Die Geschichte Mosambiks wurde vollständig ignoriert.

Das System der Lehrerbildung war genauso unterentwickelt wie das der Allgemeinbildung. Da den meisten Mosambikanern der Zugang zur Schulbildung verwehrt war, lag noch in den sechziger Jahren die Analphabetenrate bei 95 bis 98 Prozent.

1955 gab es in Mosambik 2041 escolas rudimentares mit 242412 Schiilern. Von diesen Schulen wurden 2ooo von katholischen Missionen geleitet, 27 von protestantischen Missionen, 12 unterstanden der Regierung und 2 hatten einen Sonderstatus.

1959 besuchten 392796 Kinder den ensino de adaptação, aber nur 6982 von ihnen schafften den Übergang zur Primarschule (escola primária). /5/

Wenn sich auch in den folgenden Jahren, bedingt durch die Zunahme der weißen Bevölkerung in Mosambik die Zahl der Schulen und Schüler positiv veränderte, so blieb die Bildung ein Privileg der Kolonialmacht, die Rassenschranken bestanden fort.

„Bei einer Bevölkerung von etwa acht Millionen und zweihunderttausend Einwohnern im Jahre 1970, existierten nur wenig mehr als fünfzigtausend Mosambikaner mit einer Primarstufenbildung, das ist weniger als 1 Prozent.“ /6/

Noch 1974 konnten 93 Prozent der Bevölkerung über sieben Jahre nicht lesen und schreiben. Wem die Bildung zugute kam, macht auch die Anzahl der schwarzen Studenten an der Universität von Lourenço Marques (heute: Maputo) deutlich. Von den 3800 Immatrikulierten waren nur 40 schwarzer Hautfarbe.

Überhaupt sei festgestellt, dass sich die Kolonialmacht Portugal viel Zeit mit der Einführung eines Schulsystems in Mosambik gelassen hatte. Erst nach über dreihundert Jahren seit dem Beginn der Kolonisierung (am 1o. Januar 1498 setzte mit Vasco da Gama der erste Portugiese seinen Fuß auf das Territorium des heutigen Mosambik) wurde die erste Primarschule 1799 auf der Ilha de Moçambique (dem damaligen Verwaltungszentrum) gegründet. Die Kinder der späteren Hauptstadt Lourenço Marques mussten gar bis 1907 warten, ehe sie die erste Primarschule betreten durften. Noch länger dauerte die Schaffung des ersten Lyzeums. 1919 wurde das Liceu Nacional de Lourenço Marques ins Leben gerufen. Im Gründungsjahr frequentierten es 44 Schüler, deren Bildung und Erziehung in den Händen von 11 Lehrern lag. Bis 1928 stieg die Schülerzahl in dieser Einrichtung auf 123, die der Lehrer auf 14.

1962 suchte man dem wachsenden Lehrerbedarf mit der Einrichtung des ersten Lehrerbildungsinstitutes (Escola de Magistério Primário) in Lourenço Marques zu begegnen. Am Ende der Kolonialära, 1975, existierten in Mosambik 12 Institute für die Ausbildung von Lehrern für die Primarstufe. Als die Frelimo die Macht übernahm, fehlte es an einer großen Zahl gut ausgebildeter Kader; dieser Tatsache war sie sich bewusst.

„Als wir zu den Waffen griffen, um die alte Ordnung zu stürzen, fühlten wir die Notwendigkeit, eine neue Gesellschaft zu schaffen, stark, gesund, blühend, in der die Menschen frei sind von aller Ausbeutung und zusammenarbeiten für den gemeinsamen Fortschritt.“ /7/

2.      Die Bildungspolitik der Frelimo

Der III. FRELIMO-Kongress, der 1977 stattfand, analysierte die Entwicklung der Befreiungsfront seit ihrer Gründung im Jahre 1962. Er hob als besonderen, die Entwicklung der FRELIMO kennzeichnenden, Aspekt hervor, dass sie „von 1968 bis heute durch den ständigen Kampf zwischen zwei Linien“ geprägt wird. „Dieser Kampf begann vor dem II. Kongress … Der historische Widerstand unseres Volkes gegen die Fremdherrschaft beginnt mit den ersten kolonialen Versuchen der Eroberung und Beherrschung der souveränen Staaten, die in unserem Vaterland existierten. In der Tradition des jahrhundertelangen Widerstandes, aus welcher der patriotische Geist unseres Volkes entspringt, ist die patriotische Linie der FRELIMO verwurzelt.“ /8/

Mit der Ermordung Eduardo Chivambo Mondlenes im Jahre 1969 versuchte die Reaktion, den Kampf der beiden politischen Richtungen in der FRELIMO zugunsten des reaktionären Flügels zu entscheiden, der von Uria Simango geführt wurde. In dieser zugespitzten Situation kam das Zentralkomitee der FRELIMO im politisch-militärischen Vorbereitungszentrum von Nachingwea zu seiner historischen III. Sitzung zusammen.

Die progressiven Kräfte setzten sich durch, und zu den Maßnahmen der Reorganisation der Befreiungsfront gehörte auch die Entfernung reaktionärer Kräfte aus der Führung. Einige der Ausgestoßenen wie Lázaro Nkavandame gingen offen auf die Seite der Kolonialherren über.
Der Kampf beider Linien widerspiegelte sich auch auf dem Sektor der Erziehung. Das ergab sich zunächst aus der einfachen Tatsache, dass zur Führung des Befreiungskampfes, der in seiner bewaffneten Form 1964 einsetzte, eine Erhöhung des politischen, wissenschaftlichen und fachlichen Niveaus der Kader‚ der Kämpfer und der Massen notwendig war. Aus dieser Erwägung heraus wurden bereits in den Anfangsjahren Primarschulen geschaffen und in Dar-es-Salaam (Tansania) das Instituto Moçambicano als Sekundarschule gegründet. „Mit der Schaffung von Schulen erhob sich die Frage nach dem Typ des Unterrichts, dem Typ der Erziehung zur Formung der Schüler.“ /9/ Vertreter der reaktionären Linie unterliefen die Zielstellungen des progressiven Flügels, dessen Konzeption vorsah, die Schule allen zugängig zu machen.

Unterstützt durch die portugiesische Geheimpolizei PIDE sabotierte der Padre Mateus Pinho Gwengere die Arbeit des Instituto Moçambicano und wiegelte die Studierenden gegen die FRELIMO auf. Da diese und andere Aktionen aber ohne den erwarteten Erfolg blieben, griff die Reaktion zum Mittel des Mordes, um eine revolutionäre Entwicklung auf dem Gebiet des Volksbildungswesens zu unterbinden. Ihre Opfer waren jene Kräfte, welche die revolutionäre Konzeption verteidigten. Am 9. Mai 1968 wurde Mateus Sansão Muthemba, Mitglied des ZK der FRELIMO, umgebracht. Die Idee konnte nicht getötet werden.

Im September 1970 gingen von der II. Konferenz des Departements für Erziehung und Kultur die Initiativen für die Fortführung des Prozesses der inhaltlichen Ausgestaltung der neuen Bildungskonzeption aus. Die Ziele auf den Gebieten Erziehung und Kultur erfuhren eine klarere Definition. Die Rolle des Lehrers und die Aufgaben der Schüler wurden genauer bestimmt. In das Blickfeld der Bildungspolitik rückten das Studium der Methoden des dialektischen Materialismus und die Erkenntnis von der Rolle der Praxis des Klassenkampfes. Das Wechselverhältnis von Produktion und Unterricht fand gebührende Aufmerksamkeit.
„Die Ergebnisse der II. Konferenz des DEC (Departamento de Educação e Cultura; d. V,) materialisierten sich in der Eröffnung zahlreicher Unterrichtezentren in den befreiten Zonen, die am Ende des Krieges schon von etwa dreißigtausend Schülern besucht wurden. Hunderte Lehrer wurden aus- und weitergebildet, sie erhöhten ihre politischen, fachlichen und wissenschaftlichen Kenntnisse. Es begannen Kampagnen der Alphabetisierung in den befreiten Zonen und in den militärischen Zentren.

Mehr als hundert Jugendliche besuchten Fach- und Hochschulen in sozialistischen Ländern. Mit Stolz kann die FRELIMO feststellen, dass sie, trotz militärischer Schwierigkeiten, trotz Mangel in den befreiten Zonen, mehr Mosambikaner ausgebildet hat‚ als die Kolonialisten in fünfhundert Jahren.“ /10/

Im März 1977 sprach Samora Machel vor Schulfunktionären, Lehrern und Schülern und verdeutlichte ihnen, vor welcher schwierigen Situation die FRELIMO stand, als sie in den befreiten Zonen ein grundlegend neues Schulwesen schaffen musste. Die dabei auftauchenden Probleme waren nicht nur materieller, sondern vor allem ideologischer und politischer Art.

„In diesen Zonen bestanden keinerlei Strukturen der Erziehung des klassischen Typs. Es gab keine Schulen, es gab keine Lehrer. Hier bestand nur die traditionelle Erziehung, aufrechterhalten und gehegt durch die Strukturen der Feudalgesellschaft. Es galt nun, ein Erziehungssystem zu organisieren, das den Interessen des weiteren Kampfes zu dienen hatte. Vor uns tauchten verschiedene Fragen auf: Welchen Typ der Erziehung für wen? Erziehung in wessen Dienste? Was bedeutet, in die Schule zu gehen? Aus diesen Fragen erwuchsen zwei entgegengesetzte Haltungen. Die revolutionäre Haltung verteidigte die Schaffung eines Erziehungssystems im Dienste der großen Masse, ein System, das den Menschen befreit von den negativen Spuren der Tradition und den kolonialen Einflüssen. Diese Spuren sind zäh. Diese Spuren sind schon chronisch, eingelagert in die Mentalität der Menschen. Diese Spuren befinden sich in unseren Köpfen, unzerstörbares Bollwerk, weil wir viele Jahre unterdrückt gelebt haben, ohne dass wir einen anderen Typ der Kultur, eine andere Art der Erziehung, eine andere Lebensweise kannten. Diese Spuren sind resistenter als Kanonen. Deshalb müssen wir heute gegen die Spuren kämpfen.“ /11/ So wurde, für alle einleuchtend, aus der Analyse der Situation die nächste Aufgabe abgeleitet.

Folgerichtig beschloss der III. FRELIMO-Kongress, auf dem der Schritt der Umwandlung der Befreiungsfront zur marxistisch-leninistischen Partei vollzogen wurde, ein Programm, das bis heute die Basis für alle Entwicklung auf dem Gebiet des Volksbildungswesens darstellt. Auf dem Sektor der Erziehung sei es notwendig, so wurde hervorgehoben, ständig an der Erhöhung der fachlichen und wissenschaftlichen Kenntnisse der Werktätigen zu arbeiten und ihnen Zugang zu höheren Bildungseinrichtungen zu verschaffen. „Durch die Vermittlung der wissenschaftlichen Weltanschauung des Proletariats soll die Erziehung dazu dienen, allen Mosambikanern eine wissenschaftliche und materialistische Weltanschauung zu geben.“ /12/

Mit Nachdruck wurde auf die Notwendigkeit der Ausbildung qualifizierten Pädagogen verwiesen. Das Ziel aller pädagogischen Bemühungen in Mosambik ist die Erziehung eines Menschen, der den Anforderungen des Aufbaus der neuen, der sozialistischen Gesellschaft gewachsen ist. Alle neu geschaffenen und noch zu entwerfenden Programme sind dieser Zielstellung, der Herausbildung des HOMEM NOVO – des Neuen Menschen – untergeordnet.

Wie soll der Homem Novo aussehen?

„Der Neue Mensch ist ein Mensch, der sich von Aberglauben und Mystizismus der traditionell-feudalen Gesellschaft befreit hat; er ist ein Mensch, der sich von der bürgerlichen Denkart löste, die unserem Lande aufgezwungen war … Der Neue Mensch ist ein Mensch mit einem Kollektivbewusstsein, ein Mensch, der sich engagiert im Kampf für die Werte der neuen Gesellschaft, ein Mensch, der fähig ist, sich die Wissenschaft anzueignen und sie im Dienste am Volk zu nutzen … Die Erziehung ist eines der grundlegenden Instrumente im Kampf für den Aufbau der politischen, ideologischen und materiellen Grundlagen der sozialistischen Gesellschaft.“ /13/

3.      Das Bildungswesen und der Geschichtsunterricht bis 1981

In einem Dialog /14/ zwischen Präsident Samora Machel und Lehrern und Schülern einer Berufsschule in Maputos Satellitenstadt Matola definierte das Staatsoberhaupt rückblickend die Erziehung in Mosambik als eine Form des Kampfes gegen den Hunger, die Nacktheit‚ fehlende Wohnungen, nichtexistierende Transportmöglichkeiten, Straßen, Brücken, Staudämme und Bewässerungsanlagen. Die Aufgabe der Erziehung sei es, zur Formung der mosambikanischen Nation beizutragen. Dazu gehöre, Agronomen, Veterinärmediziner, Ingenieure für Wasserwerke und das Bauwesen, Architekten und Advokaten auszubilden, um die neue Gesellschaftsordnung aufbauen zu können. Die größte Aufgabe des Menschen seit dem Beginn seiner Existenz sei es, um die Erweiterung seines Wissens zu ringen.

Wie widerspiegelte der bisherige Geschichtsunterricht diese Aspekte? Um die Inhalte des Unterrichts richtig einordnen zu können, muss der Leser wissen, dass es bis heute nicht möglich ist, im Lande die allgemeine Schulpflicht einzuführen und dass bisher nur einem bestimmten Teil der Kinder des Volkes der Schulbesuch ermöglicht werden konnte. Die Masse der Schüler frequentierte die bis dahin vierklassige Primarstufe. Weiterführende Bildungseinrichtungen nahmen Schüler bis zur elften Klasse auf. Da, vor allem in der Primarschule, der Schulerfolg in den ersten Jahren unter 5o Prozent lag, war die erschreckende Tatsache zu verzeichnen, dass von einhundert eingeschulten Kindern etwa zwölf die vierte Klasse verließen. Das lag u. a. an dem in seinen Grundlagen beibehaltenen portugiesischen Prüfungssystem.

Um den Schülern ein Minimum an historischem Wissen zu vermitteln, wurde Geschichtsunterricht bereits ab Klasse 3 erteilt. Der Inhalt blieb auf mosambikanische Geschichte beschränkt. Lehrmittel standen (und stehen) in der Regel für den Geschichtsunterricht nicht zur Verfügung. Draußen in der Savanne ersetzt ein schattiger Platz unter einem Baum das Klassenzimmer. Immerhin unterrichteten 1981 in etwa 5700 Primarschulen zirka 20000 Lehrer. Einschränkend sei hinzugefügt, dass nicht alle dieser Schulen bis zur vierten Klasse führten und ein beträchtlicher Teil der Lehrer ohne pädagogische Ausbildung unterrichtete. Ein weiterer Umstand, der das Unterrichten und Lernen zunächst erschwert(e) ist, dass in Portugiesisch unterrichtet wird; das ist für Schüler und Lehrer eine Fremdsprache, denn die meisten von ihnen sprechen eine der in Mosambik verwendeten Bantu-Sprachen oder deren Dialekte.

Der Geschichtslehrplan für die dritte Klasse war so aufgebaut:

I. Allgemeine Ziele
1.1 Politische Ziele
1.2 Wissenschaftliche Ziele
II. Ziele der 3. Klasse
III. Stoffübersicht
1.  Periode: Stundenanzahl
1. Über die Region, in der der Schüler wohnt
1.1 Produktion – kollektive Arbeit 2
1.2 Umwandlung der Natur 2
2. Das Leben des mosambikanisches Volkes vor der Kolonialherrschaft 2
3. Der portugiesische Kolonialismus und die Ausbeutung Mosambiks 2
4. Klassenarbeit über den bisherigen Stoff 1
4.1. Rückgabe und Korrektur der Klassenarbeit 1
insgesamt:
10 Stunden
2. Periode:
1. Folgen des Kolonialismus 3
2. Der Aufstand des Volkes 2
3. Das Handeln der FRELIMO 3
4. Klassenarbeit über den bisherigen Stoff 1
4.1 Rückgabe und Korrektur der Klassenarbeit 1
insgesamt:
10 Stunden
3.  Periode:
1. Das Abkommen von Lusaka und das Ende des bewaffneten Kampfes 2
2. Die nationale Unabhängigkeit 1
2.1 Politische Aspekte 1
2.2 Ökonomische Aspekte 1
3. Die Herausbildung einer neuen Gesellschaft 3
4. Klassenarbeit über den bisherigen Stoff 1
4.1 Rückgabe und Korrektur der Klassenarbeit 1
insgesamt:
10 Stunden

In den Jahren bis 1981 standen den Lehrern kaum Unterrichtshilfen zur Verfügung. Die Lehrer trafen sich an den Sonnabenden in der Schule und fertigten gemeinsam Vorbereitungen an und erarbeiteten sich Hilfstexte (textos de apoio), soweit solche nicht vom Ministerium für Erziehung herausgegeben wurden. Diese Texte waren auf historische Darstellungen beschränkt und enthielten nur selten einige methodische Hinweise.
Um den Lehrern bei der Planung und Durchführung ihres Unterrichts zu helfen schlossen sich den zitierten Angaben in den Lehrplänen Abschnitte mit der Bezeichnung „Didaktische und pädagogische Orientierungen“ an. In ihnen wurden für die jeweilige „Periode“ inhaltliche und methodische Empfehlungen gegeben. Allerdings blieben die Angaben zu den zu vermittelnden Stoffen meist sehr knapp. Am konkretesten geschah das noch im Lehrplan der dritten Klasse zum Kampf der FRELIMO. So enthält der Lehrplan folgende Hinweise zur 3. Periode, Abschnitt „Didaktische und pädagogische Orientierungen“:

„Abkommen von Lusaka und Ende des bewaffneten Kampfes.“ „Der Lehrer soll die Rolle des Volkskampfes für die Erringung der Unabhängigkeit zeigen. Die verschiedenen Formen des Volkskampfes, hervorzuheben ist der von der FRELIMO geleitete Kampf. Der Lehrer soll sich auf den 25. April 1974, den Tag des Sturzes des kolonialfaschistischen Regimes in Portugal beziehen; er soll zeigen, dass der 25. April 1974 eine direkte Folge der Befreiungskämpfe der vom portugiesischen Kolonialismus ausgebeuteten Völker in Afrika war (Angola, Guinea Bissau und Mosambik – an der Karte zeigen).

Im Folgenden ist der Vertrag von Lusaka und seine Bedeutung zu behandeln: Die portugiesische Regierung musste die FRELIMO als legitimen Vertreter des mosambikanischen Volkes anerkennen, den einzigen Führer in die Unabhängigkeit. Der Lehrer soll auch den Fakt betonen, dass die Unabhängigkeit im Kampf  erobert wurde und dass der Vertrag von Lusaka dank des Kampfes des mosambikanischen Volkes möglich wurde. Er soll darauf hinweisen, dass der portugiesische Kolonialismus nicht ohne Kampf eingegangen wäre. Der Lehrer könnte einen Abschnitt aus dem Vertrag vorlesen und den Schülern seine Bedeutung erklären. Er kann einige Bilder oder Ausschnitte aus Zeitschriften oder Zeitungen zu diesem Thema zeigen, die Schüler zur Betrachtung auffordern und einfache Fragen beantworten lassen.

Er soll beispielsweise so arbeiten:

  • Lusaka auf der Karte von Afrika lokalisieren.
  • Zeigen, wo Mosambik, Tansania und Sambia liegen und die Schüler bitten, eine Kartenskizze im Heft anzufertigen.
  • Die Schüler notieren lassen, dass der Staatsstreich in Portugal am 25. April 1974 stattfand und das Abkommen von Lusaka am 7. September des gleichen Jahres.
  • Die Schüler sollen verstehen, dass das Abkommen und die Unabhängigkeit durch den Kampf des mosambikanischen Volkes unter Führung der FRELIMO errungen wurden.
  • Gespräche in Gruppen über dieses Thema organisieren.“ /15/

Diesen Hinweisen folgen im Lehrplan bibliografische Angaben. Darunter befanden sich Verweise auf Bücher, die schon damals nicht mehr im Handel erhältlich waren (zum Beispiel Mondlanes „Kampf für Mosambik“). Fehlende Karten Afrikas und Mosambiks sowie der ständige Mangel an Heften und Schreibmaterial machten einige Lehrplanforderungen illusorisch. In vom Verfasser hospitierten Stunden fiel auf, dass dem Bemühen der Geschichtsunterricht erteilenden Lehrer das Fehlen methodischer Kenntnisse Grenzen setzte.

Der Lehrplan der dritten Klasse schließt mit der Nennung von fünf historischen Daten ab, denen allerdings keine Hinweise beigefügt sind, in welcher Weise mit ihnen zu verfahren ist.

Diese Daten sind:

  • 25. Juni 1962 – Gründung der FRELIMO
  • 25. September 1964 –  Beginn des bewaffneten Kampfes
  • 7. September 1974 – Ende des bewaffneten Kampfes und Abkommen von Lusaka
  • 2. Juni 1975 –  Nationale Unabhängigkeit
  • 24. Juli 1975 –  Nationalisierungen

Der Lehrplan der vierten Klasse ist nach dem gleichen Schema aufgebaut. Er geht von den in Klasse 3 erworbenen Kenntnissen aus, teilweise werden sie erneut behandelt, und erweitert so in Form konzentrischer Kreise das historische Gesichtsfeld der Schüler. Die Stundenzahl wurde gegenüber der dritten Klasse verdoppelt. Zum Vergleich seien hier nur die Inhalte der drei Unterrichtsperioden in der vierten Klasse angeführt:

 1.  Periode: Stundenanzahl
1. Überprüfung des Wissens über den Stoff der 3. Klasse 2
2. Die Herkunft des mosambikanisches Volkes 1
3. Das Monomotapa-Reich 2
3.1 Ökonomische, soziale und politische Organisation 2
3.2 Der Handel mit den Arabern 1
3.3 Der Niedergang des Mononotapa-Reiches 2
4. Die portugiesische Präsenz in Mosambik 1
4.1 Der Kamp zwischen Portugiesen und Arabern um die Vorherrschaft 2
5. Die Handelsniederlassungen und die Märkte 1
6. Die portugiesische Kolonialverwaltung 2
7. Die Zeit der prazos und der Handel der prazeiros 2
8. Klassenarbeit über den behandelten Stoff 1
8.1 Rückgabe und Korrektur der Klassenarbeit 1
insgesamt: 20 Stunden
2. Periode
1. Das Gaza-Reich 2
2. Der Widerstand in der Region von Maputo 2
3. Die Schlachten bei Magul, Coolela und Chaimite 2
4. Der Widerstandskampf Maguiguanes 2
5. Die Kämpfe bei Maputo 2
6. Widerstandskämpfe im Norden 3
7.  Die Monopolunternehmen (Companhias Monopolistas) 3
8. Das Ausbeutungssystem der Monopolunternehmen 2
9. Klassenarbeit (schriftlich)‚ eingeschlossen der Stoff der 1. Periode 1
9.1 Rückgabe und Korrektur der Klassenarbeit 1
insgesamt: 20 Stunden
3. Periode
1. Die Gründung der FRELIMO, ihre Unterstützung durch das Volk und die Tätigkeit dieser Organisation 2
2. Das Abkommen von Lusaka und die Feuereinstellung 2
3. Wiederholungsstunde 1
4. Die Bildung der Übergangsregierung 2
5. Die Unabhängigkeit Mosambiks 3
6. Die neue mosambikanische Gesellschaft 3
7. Arbeit über den gesamten Stoff 1
8. Rückgabe und Korrektur der Arbeit 1
9. Arbeit in Gruppen (Anfertigen von Arbeitsblättern) 5
insgesamt: 20 Stunden

Mit diesem Lehrplan wurde der Versuch unternommen, dem Schulabgänger aus der vierten Klasse einen Überblick über die Geschichte seines Landes von den Anfängen (Einwanderung der Bantu) bis zur Erringung der Unabhängigkeit zu verschaffen. Der Kampf des mosambikanischen Volkes von 1962 bis 1975 erfuhr dabei eine besondere Wertschätzung, weil er die Zeitspanne umfasst, in der unter Führung der FRELIMO der Kampf gegen das portugiesische Kolonialsystem stattfand. Die Betonung dieses Abschnitts geschah vor allem aus der Sicht der Wirkung des Geschichtsunterrichts auf das Ausprägen  des patriotischen Bewusstseins der Schüler. Gleichzeitig sollte ein Beitrag angesichts jahrhundertelanger tribalistischer Kolonialpolitik ein wichtiges Vorhaben zur Anbahnung und Vertiefung des Nationalbewusstseins geleistet werden.

Die 1977 erarbeiteten Lehrproamme für die fünfte bis neunte Klasse behielten ihre Gültigkeit bis zur Einführung des neuen Bildungssystems im Jahre 1983. Da dieses System schrittweise eingeführt wird, haben die Lehrpläne der Klassen 7 bis 9 noch eine relativ lange Gültigkeitsdauer. Weil sie seinerzeit ohne nennenswerte praktische Erprobung in der Schulpraxis eingeführt wurden, enthielten sie zahlreichen stofflichen Ballast, der dazu führte (im Verein mit anderen Bedingungen wie Lehrermangel, nichtvorhandenen Lehrbüchern und anderen Unterrichtsmitteln), dass sie nicht restlos realisierbar waren. 1986 wurden deshalb die Lehrpläne für die Klassen 7 bis 9 einer gründlichen Revision unterzogen. Jetzt sind sie praktikabler.

Ab Klasse 5 gingen die Lehrprogramme über die Nationalgeschichte hinaus. In der 5. Klasse wurden beispielsweise Aspekte der Menschwerdung, die Geschichte des Alten Ägypten sowie Meroes und die des Volkes der Nok behandelt. Der Schwerpunkt internationaler Geschichte lag in Klasse 6 auf der Herausbildung des Islam und dessen Einfluss in Nordafrika. Außerdem kam die Geschichte der ersten westafrikanischen Staaten (Ghana, Mali, Songhai) dazu, ebenso die der Staaten Ost- und Südafrikas.

Die 7. Klasse beschäftigte sich mit dem Imperium Romanum, der feudalen Produktionsweise, der industriellen Produktion und der europäischen Kolonialpolitik.

Die Herausbildung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und die ersten Klassenkämpfe des Proletariats sind Gegenstand in Klasse 8, dazu die französische bürgerliche Revolution von 1789, die Entstehung des wissenschaftlichen Sozialismus, die Pariser Kommune und die „2. Europäische Expansion“.

Der Geschichtsunterricht der 9. Klasse umfasste folgende Stoffgebiete: Den 1. und 2. Weltkrieg, die Befreiungskämpfe in Asien, Lateinamerika und Afrika, die neokolonialistische Politik imperialistischer Staaten und schließt ab mit den „grundlegenden Widersprüchen in der Welt von heute“.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution ist mit 6 Stunden in den 12-Stunden-Komplex „Der 1. Weltkrieg: inter-imperialistische Gegensätze“ eingeschlossen.

Welche Hilfen standen Lehrern und Schülern zur Verfügung? In Anbetracht fehlender Unterrichtshilfen waren die Lehrer oft nur auf die vorhandenen Lehrbücher als Basis ihres Unterrichts angewiesen. Viele der nichtausgebildeten Lehrer in der Primar- und Sekundarstufe waren dadurch ihren Schülern häufig nur um ein Weniges im Wissen voraus. Erschwerend kam hinzu, dass der Staat die Mittel für die Nachdrucke der Lehrbücher nicht aufbringen konnte.

So war und ist es keine Seltenheit, dass – vor allem in ländlichen Gebieten – keine oder nur wenige Lehrbücher in einer Klasse vorhanden sind. Einige dieser benutzten Lehrbücher waren Hefte, welche die FRELIMO herausgegeben hatte, die aber nicht ausschließlich für die Benutzung in einer bestimmten Klassenstufe gedacht waren.

Insgesamt existierten:

Titel Umfang Erscheinungsjahr Klassenstufe
História de Moçambique 60 S. 1978 (1) keine spezielle Zuordnung
História da FRELIMO 30 S. 1981 (1) keine spezielle Zuordnung
História da África 60 S. 1978 (1) keine spezielle Zuordnung
História. África 111 S. 1978 5. und 6. Klasse
Das Alte Ägypten 16 S. 1981 5. Klasse
História 73 S. 1982 7. Klasse
História de Moçambique, 1. Band 156 S. 1982 für Studenten der Universität
História de Moçambique, 2. Band 336 S. 1983 für Studenten der Universität
História 75 S. 1981 11. Klasse
História 1981 10. Klasse

(1) Herausgeber war das Department für ideologische Arbeit der Frelimo

Abgesehen davon, dass einige der Lehrbücher nur Teile des laut Lehrplan zu vermittelnden Stoffes umfassten und andere (die für den Gebrauch an der Universität erarbeitet worden waren, den Lehrern der Primar- und Sekundarstufe jedoch als Wissensquelle dienten) die Lehrer überforderten, gab es für die Lernenden der 3., 4., 8. und 9. Klassen überhaupt keine Lehrbücher. Außerdem ist der Inhalt des Studenten-Lehrbuches „História de Moçambique“, Band 1, einfach als Lehrbuch der 11. Klasse übernommen und nachgedruckt worden.

4.      Das neue Erziehungssystem

Die Konzipierung und Einführung des Sistema Nacional de Educação (SNE) stellt die bedeutendste revolutionäre Veränderung auf dem Gebiet der Bildung und Erziehung in Mosambik dar. Mit ihm gelang der Frelimo der entscheidende Schritt zu einer Massenschule, einer einheitlichen Volksschule.

Zum ersten Mal in der mosambikanischen Geschichte wurde ein Schulsystem verwirklicht, in dem die Prinzipien sozialistischer Pädagogik umfassend angewendet und ihre Umsetzung durch Gesetzeskraft gesichert wird.

Ausgehend von den wegweisenden Beschlüssen des III. FRELIMO-Kongresses 1977 wurden im Dezember 1981 der 9. Tagung der Assembleia Popular die „Linhas Gerais do Sistema Nacional de Educação“ (Allgemeine Richtlinien des Nationalen Erziehungssystems) zur Diskussion und Beschlussfassung vorgelegt. Mit der Annahme der „Linhas Gerais…“ und des Gesetztes Nummer 4/1983 erfuhr die Schaffung des Homem Novo ihre Definition als wichtigste Aufgabe. In der Resolution 11/81 der Assembleia Popular wurde formuliert: „Die Schaffung des Neuen Menschen, Erbauer des sozialistischen Vaterlandes, in dem jeder das Beste in seiner Arbeit gibt und wo ein jeder seine Verwirklichung und Selbstbestätigung erlebt, ist das Hauptziel des Erziehungssystems.“ /16/

Jedem Bürger wird das Recht und die Pflicht auf Bildung zugestanden. Jeder hat Zugang zu allen Bildungsstufen. Als eines der Hauptanliegen gilt:

„… den Neuen Menschen formen, einen Staatsbürger, der ideologisch, wissenschaftlich, fachlich, kulturell und physisch im Stande ist, die Aufgaben zur sozialistischen Entwicklung des Landes zu verwirklichen.“ /17/

Das SNE wurde in Übereinstimmung mit der Verfassung der Volkrepublik Mosambik (VRM) und dem Parteiprogramm der Frelimo und deren Direktiven für Erziehung geschaffen. Es berücksichtigt die Erfahrungen des bewaffneten nationalen Befreiungskampfes und die des Ringens um die Errichtung einer neuen Gesellschaftsordnung in den Jahren nach der Erringung der Unabhängigkeit. Die allgemeinen Prinzipien des Marxismus-Leninismus, besonders jene, die die sozialistische Pädagogik betreffen und die Erfahrungen der sozialistischen Länder gehören zu den Grundlagen des neuen Systems.

Das SNE ist untergliedert in 5 Substysteme:

  • das Subsystem der Allgemeinbildung
  • das Subsystem der Erwachsenenbildung
  • das Subsystem der Berufsbildung
  • das Subsystem der Lehrerbildung
  • das Subsystem der Hochschulbildung

Das 1983 erlassene Gesetz kennzeichnet das Subsystem der Allgemeinbildung als „zentrale Achse des Nationalen Erziehungssystems“ /18/, sichert den polytechnischen Charakter der Bildung und Erziehung und den Zutritt zu den anderen Subsystemen.

Es umfasst

  • die Primarstufe
  • die Sekundarstufe und
  • die Abiturstufe (pre-universitária)

Der Primarbereich umschließt jetzt in der ersten Stufe die Klassen 1 bis 5 und in der zweiten Stufe die 6. Und 7. Klassen. Die Klassen 8 bis 10 gehören dem Sekundarbereich an. In der Abiturstufe werden die Schüler der 11. und 12. Klassen unterrichtet. Gegenwärtig umfasst sie aber nur die 11. Klasse. Entsprechend der Festlegungen zur schritt- bzw. schuljahresweisen Einführung – 1983 erfolgte die Einführung der 1. Klasse, 1984 die 2., 1985 die 3., usw. – ist 1994 mit der Einführung der 12. Klasse zu rechnen.

1987 wird in der VRM die 5. Klasse nach dem SNE eingerichtet. Damit hat das mosambikanische Volk eine Leistung vollbracht die ihresgleichen im südlichen Afrika nicht findet (wenn man von Angola einmal absieht).

Die Lehrbücher und Unterrichtshilfen werden von den mosambikanischen Fachleuten im INDE (Instituto Nacional de Desenvolvimento da Educação) – dem Nationalen Institut für Entwicklung der Erziehung – erarbeitet. Diese Institution ist dem Erziehungsministerium untergeordnet. Die mosambikanischen Autoren versichern sich dabei der Hilfe bzw. Beratung ausländischer Kooperanten, wobei die Hilfe der Sowjetunion und der DDR sowohl im Ministerium wie im INDE besondere Anerkennung gefunden hat.

Die Inhalte des Unterrichts im Bereich Allgemeinbildung nach dem SNE sind in den bereits erwähnten „Linhas Gerais…“ vorgezeichnet. Geschichtsunterricht wird von Klasse 4 an mit zwei Wochenstunden erteilt.

5.      Der Geschichtsunterricht nach dem SNE

Da nunmehr den mosambikanischen Kindern in steigender Zahl der Schulbesuch bis Klasse 7 möglich ist, seien die Ausführungen zum Geschichtsunterricht auf die Primarstufe (4. bis 7. Klasse) beschränkt. Die „Linhas Gerais…“ geben für die Klassen 4 und 5 folgende allgemeine Ziele vor:

Mit Abschluss der 5. Klasse sollen die Schüler kennen

  • die Geschichte des Vaterlandes, besonders der Produktion, die politische und soziale Organisation, die Wirtschaft (Landwirtschaft, Bauwesen, Transportwesen) und die Kultur
  • die Entwicklung der Frelimo-Partei, ihre die mosambikanische Gesellschaft verändernde revolutionäre Tätigkeit
  • die Helden der mosambikanischen Geschichte

Sie sollen fähig sein

  • historische Informationen aus mündlichen und schriftlichen Zeugnissen und anderen Dokumenten (Fotografien, Monumente, …) zu gewinnen
  • die erworbenen Informationen einzeln oder im Kollektiv schriftlich (Berichte, Beschreibungen, Vergleiche, Zeichnungen) oder mündlich (Berichte, Dramatisierungen) aufzubereiten
  • Zeitgrafiken zu interpretieren und auszuarbeiten, ebenso historische Karten, Schemata und Illustrationen
  • zu verstehen, dass das gegenwärtige Mosambik das Ergebnis eines langen historischen Prozesses ist
  • zu begreifen, dass der von der Frelimo geleitete Kampf zu Unabhängigkeit führte und zur Herausbildung des mosambikanischen Vaterlandes

Das Fach trägt dazu bei, in den Schülern auszuprägen:

  • das Interesse für das Studium der Geschichte des Vaterlandes
  • das patriotische und internationalistische Bewusstsein
  • den Stolz, Mosambikaner zu sein
  • die Bewunderung und Achtung für die Helden Mosambiks

Als Inhalte werden festgelegt:

  • Einführung in die Geschichte (Wir haben alle eine Geschichte; die Geschichte unseres Dorfes und unserer Eltern)
  • die ersten Ackerbauern in Mosambik
  • die alten Imperien und Königreiche (Manhiquene, Mutapa, Marave und Ajaua, die Prazos am Sambesi, Gaza)
  • das Eindringen der Portugiesen und die Kolonialherrschaft
  • der Kampf gegen den Kolonialismus und der bewaffnete Befreiungskampf
  • die Unabhängigkeit und der Aufbau des Sozialismus in Mosambik /19/

Die Erkenntnis- und Könnensziele der zweiten Primarstufe gehen von denen der ersten Stufe aus oder werden erneut aufgegriffen und erweitert. Als Ziel für die Bewusstseinsbildung wird genannt, dass der Geschichtsunterricht beizutragen hat zur Entwicklung

  • des patriotischen und internationalistischen Bewusstseins
  • des Stolzes, Mosambikaner zu sein und zur Einsicht in die Notwendigkeit, das Vaterland zu verteidigen
  • der Identifikation mit dem Kampf gegen Rassismus, Kapitalismus, Imperialismus und Apartheid
  • der Achtung der Bewunderung und Helden Afrikas.

Nachstehende Inhalte sind aufzubereiten und zu vermitteln:

  • die ältesten Völker des afrikanischen Kontinents
  • die Königreiche und Imperien West-, Zentral- und Ostafrikas (seit dem 9. Jahrhundert)
  • das Eindringen der Europäer
  • die Aufteilung Afrikas und die Okkupation des Kontinents (und die Widerstandskämpfe)
  • der Kolonialismus
  • die Befreiungsbewegungen in Afrika
  • die unabhängig gewordenen Staaten Afrikas
  • die gegenwärtige Situation in Afrika (Kamp gegen die Unterentwicklung, regionale Organisationen, die Apartheidpolitik). /20/

In der zweiten Primarstufe wird also die begrenzte Sicht der „Nur“-Nationalgeschichte verlassen und den Schülern bis zur 7. Klasse ein Überblick der gesamtafrikanischen Geschichte bis zur Gegenwart  gegeben.

Wie wurden diesen Forderungen bei der Umsetzung der allgemeinen  Linienführung in Lehrpläne und Unterrichtshilfen Rechnung getragen? Basis – und damit entscheidender Ansatzpunkt –  waren die  Materialien der 4. Klasse, die 1986 eingeführt wurden.

Zunächst fällt auf, dass für die 4. Klasse kein Lehrplan in dem umfassenden Sinne, wie das bei uns in der DDR heute Praxis ist, ausgearbeitet wurde. Es gibt lediglich eine Themenübersicht im „Buch für den Lehrer“, der Unterrichtshilfe. Die Schüler erhielten ein Lehrbuch in knappem A4-Format mit 96 Seiten. Die Autoren waren die INDE-Mitarbeiter Alda Costa und Lucas Sitoe, die Illustrationen schuf Celso Reinaldo Paul, der auch für die künstlerische Gestaltung verantwortlich zeichnete.

Das Lehrbuch ist reich bebildert, wobei besonders die vielen Originalfotos vom bewaffneten Kampf gegen die Portugiesen und historische Aufnahmen aus der Kolonialzeit von Wert sind. Den Autoren ist es gelungen, eine einfache praktikable Form der Einführung in die Geschichte zu finden. Sie gehen vom Schüler aus („Alle haben eine Geschichte“) und schaffen ihm Bezugspunkte („Deine Schule hat auch eine Geschichte“, „Die Geschichte des Heimatdorfes“, usw.). Danach wird der Übergang zur Geschichte des Ortes und der Eltern hergestellt.

Insgesamt ergibt sich folgendes Bild /21/:

Stoffeinheit Thema Stunden pro Stoffeinheit Stunden pro Thema
1. Wir alle haben eine Geschichte
  • Du hast eine Geschichte.
  • Deine Schule hat auch eine Geschichte.
11 Stunden 6 Stunden5 Stunden
2. Die Geschichte unseres Ortes und unserer Eltern
  • Die Geschichte des Dorfes, Stadtviertels oder der Stadt, in der du lebst.
  • Das Leben unserer Eltern in der Kolonialzeit.
  • Die Zeit unserer Eltern und unsere Zeit.
19 Stunden 6 Stunden9 Stunden4 Stunden
3. Die Geschichte des bewaffneten nationalen Befreiungskampfes
  • Der Tag der Unabhängigkeit: 25.6.1975
  • Die Mosambikaner widerstanden immer den portugiesischen Kolonialisten.
  • Der bewaffnete Kampf.
  • Abschlussarbeit
34 Stunden 4 Stunden5 Stunden23 Stunden2 Stunden
insgesamt: 64 Stunden

Die Übersicht macht deutlich, dass der Einführung der Schüler in die Geschichte mit 30 Stunden viel Raum gegeben wird, ehe mit der Darstellung des bewaffneten Befreiungskampfes die „eigentliche Geschichte“ beginnt. Man muss jedoch von der konkreten Situation im Lande ausgehen, um nicht zu einer falschen Beurteilung der Materialien zu gelangen.

Das Lehrbuch beginnt mit der zeichnerischen Darstellung zweier Schüler, die Samuel und Amina heißen. Mit ihnen soll und kann sich der Schüler identifizieren. Die Angaben aus dem Leben Samuels und Aminas lassen Vergleiche mit dem Leben der Schüler, ihren Eltern ‚usw. zu.

Mit der Aufnahme von Tabellen wird gleichzeitig am Zahlen-  und Zeitverständnis der Kinder gearbeitet. Dazu enthält das Lehrbuch u.a. eine solche Übersicht: /22/

Die Familie Aminas Jahr der Geburt Alter im Jahre 1986
der Vater 1950 36 Jahre
die Mutter 1954 32 Jahre
der älteste Bruder 1973 13  Jahre
Amina 1976 10 Jahre
die jüngste Schwester 1979 7 Jahre
der jüngste Bruder 1981 5 Jahre

Nachdem der jeweilige Text und die entsprechende Tabelle behandelt worden sind, wird das Ergebnis in einem Zeitstrahl und einer kurzen Zusammenfassung umgesetzt.

Interessant ist‚ dass man auf jeder Seite des Lehrbuches zwei Drittel des Raumes für die Darstellung des Stoffes und Zusammenfassungen verwendet hat, während das linke Drittel Hinweise, Fragen, Aufforderungen und Illustrationen enthält.

Jede Stoffeinheit schließt mit einem umfassenden Abschnitt „Tätigkeiten“ ab. Hier werden Aufgaben gestellt, deren entscheidende Wörter im Text durch Braundruck abgehoben werden („beschreibe“, „erzähle“, „zeichne“, usw.). Es folgt ein Fragenkomplex, der sich auf den vorangegangenen Stoff bezieht.

Das Lehrbuch der vierten Klasse schließt mit einer Chronologie ab, die den Zeitraum vom 10. Jahrhundert bis zum 25.6.1975 erfasst. Erstmals erhielten die Geschichtslehrer eine Unterrichtshilfe. Sie ist äußerst wertvoll für den Geschichte unterrichtenden Lehrer, weil sie ihn in die Lage versetzt, sich notwendiges Wissen anzueignen, um über dem zu behandelnden Stoff zu stehen. Allerdings war man aus materiellen Gründen gezwungen, den Umfang des Dargestellten kurz zu halten. Das „Buch für den Lehrer“ wurde in einem Band gemeinsam mit der Unterrichtshilfe für Werken gedruckt.

Am Anfang steht eine „Allgemeine Einführung“‚ die dem Lehrer sagt, was er von dem Buch zu erwarten hat und wie er es studieren soll. Dieses Kapitel schließt die „Allgemeinen Ziele der vierten Klasse“ ein, damit der Unterrichtende eine Übersicht über das Anliegen dieser Klassenstufe erhält und bei der Vermittlung entsprechend akzentuieren kann. Neben Vermerken zu notwendigen Arbeitsmaterialien enthält dieser Abschnitt Zensierungshinweise.

Der eigentliche Teil „Geschichtsunterricht“ beginnt ebenfalls mit einer Einführung, die das Fach in den Gesamtkomplex des SNE einordnet. Schließlich folgen „Ziele“ in stark verallgemeinerter Form.

Die Themenübersicht ist danach aufgeführt.

Auf den Seiten 14 bis 24 wird dem Lehrer eine Kurz-Methodik seines Faches geboten. Sie enthält Angaben darüber, wie die Schüler zu motivieren und Fragen zu formulieren sind, welche Materialien im Geschichtsunterricht Verwendung finden können, welche Schüleraktivitäten zu planen und zu realisieren sind, wie mit Begriffen und grafischen Darstellungen (Zeitdarstellungen) zu arbeiten ist, welche Rolle Karten und Dokumente spielen, wie der Lehrer effektiv mit der Tafel arbeiten kann, wie Schülerleistungen zu bewerten sind. Ohne ins Einzelne zu gehen, erfolgen methodische Hinweise zur Gestaltung der Stunden. Dabei werden inhaltlich zusammengehörende Stunden in einem Komplex erfasst. Im Einleitungsteil erläuterte Symbole (Gruppenarbeit, Arbeit an der Karte, Arbeit mit dem Zeitstrahl, Arbeit mit dem Buch, mit Dokumenten oder Fotos, Arbeit an der Tafel und Tätigkeiten außerhalb der Schule) erleichtern dem Lehrer die Orientierung.

Von großer Bedeutung sind die in der Unterrichtshilfe enthaltenen Faktensammlungen zur Geschichte wichtiger Städte in Mosambik, ebenfalls die historischen Kartenskizzen. Das Gleiche lässt sich für Texte sagen, die der Weiterbildung der Lehrer dienen (z.B.: der Export der Arbeitskräfte in der Kolonialzeit; die Zwangsarbeit; der zwangsweise Anbau bestimmter Feldkulturen; die Organisation der Verwaltung in der Kolonialzeit).

Aus Kurzdarstellungen von Biografien erfahren die Lehrer Wissenswertes aus dem Leben mosambikanischer Helden des nationalen Befreiungskampfes. Das versetzt sie in die Lage, auch regionalgeschichtliche Bezüge herzustellen.

Insgesamt widerspiegeln die Materialien für die neu eingeführte vierte Klasse den Qualitätssprung, der mit dem SNE im mosambikanischen Bildungswesen vollzogen wurde.

Der Lehrplan der 5. Klasse sieht fünf Stoffeinheiten vor:

  • 1. Das mosambikanische Volk vor langer, langer Zeit
  • 2. Alte Königreiche und Imperien (Manhiquene, Monomotapa, Marave, Ajaua, Prazos am Sambesi, Gaza, portugiesische Händler in Mosambik)
  • 3. Der Kolonialismus
  • 4. Der  bewaffnete nationale Befreiungskampf (Die FRELIMO eint die Mosambikaner; Im bewaffneten Kampf tauchten neue Probleme auf; Mit der FRELIMO besiegte das Volk den Kolonialismus)
  • 5. Das unabhängige Mosambik

6.      Zur gegenwärtigen Situation

Die inneren und äußeren Feinde  der VRM haben schon mehrfach den Tod des SNE verkündet. Von Anfang an bezweifelten sie, dass der junge Staat die Kraft aufzubringen imstande sei, um ein derart gewaltiges revolutionäres Werk zu vollbringen. Mit der Ermordung tausender Lehrer und der Zerstörung der Schulen schufen sie zusätzliche Hemmnisse, die die Agonie der Revolution in Mosambik bestätigen sollten. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz gibt es bis zum heutigen Tag keine Verzögerung bei der Umsetzung des SNE in die Praxis.

Mit der Schaffung und Realisierung des neuen Erziehungssystems gelang der Frelimo eine Leistung, deren wahrer Wert sich erst in den künftigen Jahren richtig einschätzen lässt. Der Fortschritt dieses Systems drückt sich nicht nur in den neuen Inhalten der Bildung aus. Er ist auch daran zu messen, dass mit dem SNE die Verbindung von Gesellschaft und Schule gelang und dass in einer wahren Volksschule gleiche Bildungsmöglichkeiten für alle Kinder gegeben sind. Zum ersten Male existiert ein einheitliches Schulsystem, das eine einheitliche wissenschaftliche Allgemeinbildung vermittelt. Das marxsche Prinzip der Einheit von Unterricht, produktiver Arbeit und Gymnastik ist berücksichtigt, das der Einheit von Bildung und Erziehung ebenfalls. In seinen Zielstellungen strebt es die aktive Teilnahme der jungen Generation am Aufbau der neuen Gesellschaft an. Das Bestreben um das Zusammenwirken von Schule, Familie, Jugendorganisation und allen gesellschaftlichen Kräften ist offenkundig. Doch der Fortschritt vollzieht sich problemvoll und unter den Bedingungen eines harten und verlustreichen Klassenkampfes.

An der Lösung vieler Probleme wird gearbeitet. 1986 entstanden – dem Wüten der Konterrevolution zum Trotz – beispielsweise neue Schulen in den Maputoer Stadtteilen  Hulene und Polana. Die Qualität der Lehrerbildung wird ständig verbessert.

Noch ist der Anteil ausgebildeter Lehrer (Magistério) in der Primarstufe zu gering. 1985 ergab sich bezüglich der in der Primarstufe unterrichtenden Lehrer nachstehendes Bild:

mit Ausbildung
Ausbildungsform: Magistério 6. + 1 (1) 4. + 4
Anzahl der Lehrer 84 10918 652
ohne Ausbildung
4. Klasse (2) 5. Klasse 6. Klasse 7. Klasse 8. Klasse 9. Klasse
4893 1588 1770 204 104 26

(1): der Lehrer hat selbst den Abschluss der 6. Klasse und hat 1 Jahr lang einen Ausbildungskurs besucht; (2): der Lehrer hat selbst den Abschluss der 4. Klasse und keine pädagogische Ausbildung

Umso höher sind die unter diesen Umständen errungenen Erfolge einzuschätzen. Der IV. Frelimo-Kongress verwies auf diese Bilanz:

Die Zahl der Schüler in der Primarstufe stieg von 672000 im Jahr 1975 auf 1530000 im Jahr 1982. In der Sekundarschule wuchs die Schülerzahl im gleichen Zeitraum von 23000 auf 94000; und die Anzahl der Sekundarschulen stieg von 33 auf 121. /23/

Überall arbeiten in den letzten Jahren Betriebe  und gesellschaftliche Organisationen enger mit der Schule zusammen.

Noch gibt es viele Schulen, in denen die Schüler weder Tische noch Bänke oder Hefte und Schreibmaterialien zur Verfügung haben.

Die Klassenzimmer im Freien, im Schatten eines großen Baumes, dessen Stamm die Tafel stützt, ist keine Seltenheit. Oft kommen Lehrer und Schüler mit leerem Magen zur Schule, da der Feind die Transportwege und die Felder zerstört oder eine anhaltende Trockenheit Pflanze und Vieh sterben lässt.

In den zwölf Jahren seit der Erringung der nationalen Unabhängigkeit hat sich das mosambikanische Volk, geführt von der Frelimo, nicht durch die von Menschen oder der Natur ausgelösten Katastrophen niederzwingen lassen. Das wird so bleiben.

Gegenwärtig laufen die Vorbereitungen für die Einführung der  6. Klasse des SNE.

Der Geschichtsunterricht in Mosambik wird seinen Beitrag leisten, junge Patrioten zu erziehen, die die Losung des revolutionären Weges erfüllen. Sie lautet: A luta continua! Der  Kampf geht weiter!

7.      Literaturverzeichnis

/1/ Samora Machel in seinem Schlusswort auf der 8. Tagung der Assembleia Popular, 1981
/2/ Eduardo Mondlane: Lutar por Moçambique. Livraria Sá da Costa. EDITORA. Lisboa 1977. S. 61
/3/ Ebenda. S. 62
/4/ Ebenda. S. 62
/5/ Angaben nach /2/, S. 65
/6/ Relatório do Comité Central ao IV Congresso. Maputo 1983, S. 16
/7/ O processo da revolução democrática popular em Moçambique. Samora Machel. Maputo 1980
/8/ O Partido e as classes trabalhadoras moçambicanas na edificação da democracia popular (Samora Moises Machel). Relatório do Comité Central ao III. Congresso. Maputo 1977. S. 9
/9/ Ebenda. S. 20
/10/ Ebenda, S. 37
/11/ Samora Machel: Estudemos e façamos dos nossos conhecimentos um instrumento de libertação do povo. Colecção „Palavras de Ordem”, Departamento do trabalho ideológico, Frelimo. Maputo 1977
/12/ Aus /8/, S. 137
/13/ Aus /11/, S. 5 – 6
/14/ Tempo, Nummer 759, 28. April 1985, Maputo, S. 8
/15/ Angaben nach: Programa para o ensino primário. República Popular de Moçambique. Ministério da Educação e Cultura. S. 6 – 17
/16/ Sistema Nacional de Educação. Linhas Gerais e Lei N. 4/83. Maputo de 1985. República Popular de Moçambique, S. 5
/17/ Ebenda, S. 6
/18/ Ebenda. S. 116
/19/ Nach: Sistema Nacional de Educação. Subsistema de Educação Geral. República Popular de Moçambique, Ministério da Educação, Instituto Nacional do Desenvolvimento da  Educação. S. 20
/20/ Ebenda. S. 33 – 34
/21/ Livro do Professor. História. Actividades Laborais. Volume 4. República Popular de Moçambique. S. 13
/22/ O meu livro de História. História 4. classe. Edição: INDE, Maputo 1985, S. 9
/23/ Angaben nach /6/, S. 51 – 52