Helfen in Afrika. Was verbindet Mosambik mit Großenhain?

SZ Großenhain vom 22./23. Oktober 2005, von Astrid Withulz

Helfen in Afrika. Der Großenhainer Lehrer Rainer Grajek berichtet über seine Zeit in Mosambik.

Was verbindet Mosambik mit Großenhain?
Um diese Frage zu beantworten, muss man sich einige Jahre zurück begeben, in die Geschichte der DDR. Die DDR hatte sich die Entwicklungshilfe für dieses erst 1975 unabhängig gewordene Land auf die Fahne geschrieben. Rainer Grajek war einer dieser Entwicklungshelfer. 1966 kam er aus seiner Geburtsstadt Zeitz nach Riesa, wo er seine pädagogische Laufbahn an der damaligen Karl-Marx-Schule begann.

Nachdem er sich zum Fachberater für Geschichte qualifiziert hatte, begann 1972 seine Arbeit in der Lehrerfortbildung der DDR. Sieben Jahre später entschied er sich auf Anfrage des damaligen Ministeriums für Volksbildung für einen zeitlich befristeten Aufenthalt in Maputo/Mosambik. Er arbeitete von 1981 bis 1986 als pädagogischer Berater und Lehrerausbilder im dortigen Bildungsministerium. Danach war er mehrere Jahre am Großenhainer Gymnasium tätig.

Wie schwierig war es für Sie, sich für ein Leben in Afrika zu entscheiden?

Ich habe das Angebot der DDR-Regierung 1979 eher als Geschenk betrachtet. Die Reisesituation in diesen Jahren ließ kaum Anlass zu der Hoffnung, dass ich jemals ganz individuell exotische Länder würde besuchen können. Vor allem die Tatsache, dass ich mit meiner Familie zusammen war, machte die Entscheidung leicht.

Welche Hürden hielt der Alltag in der Hauptstadt Maputo für Sie bereit?

Uns wurde eine großzügige Unterkunft zugewiesen und durch die Nähe zur DDR-Botschaft hatten wir auch die Möglichkeit Lebensmittel zu kaufen. Im Land waren stets die Nahrungsmittel knapp und die Mosambikaner erhielten für ihre Lebensmittelkarten nur etwas Öl, Zucker oder Seife. Als 1981 die große Trockenzeit über das südliche Afrika hereinbrach, mussten wir sehr sparsam mit dem kostbaren Wasser haushalten. Die Anpassung an das Leben in Afrika fiel uns gewiss leichter als einigen anderen. Meiner Frau kam eine große Verantwortung zu. Ich hatte meine konkrete Aufgabe im Ministerium, aber sie musste das tägliche Leben organisieren, z.B. auf dem Markt um Lebensmittel feilschen.

War es schwer, sich als kleine Familie aus der DDR in die mosambikanische Gesellschaft zu integrieren? Wie stellten Sie den Kontakt zu den Einheimischen her?

Uns ist es eigentlich nie schwer gefallen, Kontakt zu den Menschen zu bekommen. Aber das war von der DDR-Regierung gar nicht erwünscht. Die sozialen Bindungen zu den Menschen sollten sich auf das Nötigste beschränken. Auch Gespräche mit anderen Entwicklungshelfern aus der damaligen BRD waren unerwünscht und sogar mit Sanktionen verbunden.

Unser Sohn spielte damals als eines der wenigen weißen Kinder jeden Tag mit seinen mosambikanischen Freunden. Bis heute pflegen wir gute Beziehungen zu einigen Mosambikanern und ihren Familien.

Das Manuskript für Ihr Buch entstand bereits 1986. Warum mussten fast zwanzig Jahre vergehen, bis die Öffentlichkeit jetzt von Ihren Erlebnissen erfahren darf?

Ich hatte mich bereits 1987 um die Veröffentlichung bemüht und viele Verlage bekundeten ihr Interesse, konnten damals den Stoff aber wegen seiner angeblichen Brisanz nicht publizieren.

Was bietet Ihr Buch – außer fundierten Informationen über das Wirken der DDR im Entwicklungsland Mosambik – dem Leser noch?

Das Buch beschreibt das Leben in einer fremden afrikanischen Kultur, inmitten eines blutigen Bürgerkrieges. Ich berichte außerdem von ganz individuellen Erlebnissen mit den Menschen in Mosambik, von der Berührung mit ihrer Mentalität und ihren Sorgen, Ängsten und Freuden. Das Buch greift das Leben im Mosambik des Jahres 2005 auf und beschreibt die gegenwärtige politische und ökonomische Situation des Landes und auch die des damaligen Aggressors Südafrika.