Historische Radioaufnahme zum 30. Jahrestag des Todes von Samora Moisés Machel – Eine Dokumentation

In fast jeder mosambikanischen Stadt steht heute ein Denkmal des ersten Präsidenten und Staatsgründers Mosambiks, Samora Moisés Machel.  Das beweist, dass der 1986 ermordete Präsident tief im Bewusstsein der mosambikanischen Bevölkerung verwurzelt ist und seine Vorstellungen über die Gestaltung des mosambikanischen Staates bis heute nachwirken.

Ich habe in meinem Buch „Berichte aus dem Morgengrauen. Als Entwicklungshelfer der DDR in Mosambik“ die Ereignisse vom 19. Oktober 1986 dokumentiert und in meinem Beitrag „Wie viele Menschen kamen beim Tod Samora Machels ums Leben?“ mit weiteren Fakten versehen.

Am Morgen des genannten Tages drückte ich geistesgegenwärtig die Aufnahmetaste meines Radiorekorders und bin so im Besitz eines einmaligen Dokumentes von „Radio Mosambik“ (RPM).

Der folgende Mitschnitt aus meinem Archiv beinhaltet das Kommunikee der Frelimo, vorgetragen von Marcelino dos Santos, Mitglied des damaligen Zentralkomitees, am 20. Oktober 1986 über den Absturz der Maschine des Präsidenten.

In meinem Buch habe ich die damaligen Ereignisse geschildert:

umschlag-berichte aus dem morgengrauen„Die Begegnung mit den Apokalyptischen Reitern“, In: Rainer Grajek:  „Berichte aus dem Morgengrauen. Als Entwicklungshelfer der DDR in Mosambik“, 2005, S. 222 – 223

1986. Zunächst unterschied sich der Beginn unseres Arbeitstages im Maputoer Ministerium für Erziehung an jenem 20. Oktober nicht von den Tagen vorher. Abel Assiz, mein mosambikanischer Kollege und Leiter der Gruppe Geschichtsunterricht für den Sekundarschulbereich, hatte sein kleines Kofferradio angestellt und widmete sich seiner Arbeit.

Das Radio lief immer, seit Rogelio, ein kubanischer Berater, und ich Batterien für das Gerät besorgt hatten. Gleich, welche Sendung von Radio Mosambik ausgestrahlt wurde, es gab in quäkenden Tönen alles wieder, was über den Sender kam. Manchmal war es ein Störfaktor bei konzentrierter Arbeit. Abel liebte das Radio über alles.

An diesem Morgen hörten wir nur mit halbem Ohr zu, bis ich die beiden anderen darauf aufmerksam machte, dass schon die ganze Zeit über Trauermusik gespielt wurde. Rogelio und Abel lauschten und bestätigten meinen Hinweis. Wir hatten keine Erklärung dafür. Gegen 8 Uhr 30 brach die Musik ab, und nach einer kurzen Pause ertönte die Stimme von Marcelino dos Santos.

„Mosambikaner, Mosambikanerinnen:
Mit tiefer Bewegung und Schmerz geben das Politbüro des Zentralkomitees der Frelimo-Partei, die Ständige Kommission der Volksversammlung und der Ministerrat der Volksrepublik Mosambik dem gesamten mosambikanischen Volk vom Rovuma bis zum Fluss Maputo den tragischen Tod des Präsidenten der Frelimo-Partei, des Präsidenten der Volksrepublik Mosambik, Marschall SAMORA MOISÉS MACHEL bekannt.“

Wir saßen wie erstarrt.

Das Kommunikee teilte mit, dass sich Samora Machel auf dem Rückflug von Mbala in Sambia nach Maputo befunden habe. Bei der Annäherung an den Flughafen Maputo sei die Maschine aus noch nicht geklärten Ursachen auf südafrikanischem Territorium bei dem Ort Mbuzime, etwa fünf Kilometer nordwestlich des mosambikanischen Grenzortes Namaacha, abgestürzt. Das letzte Wort des Kommunikees war kaum verklungen, als Abel, dessen Gesicht Entsetzen ausdrückte, aufsprang und mit an die Schläfen gepressten Fäusten aus dem Zimmer rannte. Auch Rogelio stürzte hinaus.

Tumult erhob sich.

In den Häusern. Auf den Straßen und Plätzen.

„Der Präsident ist tot!“

Der Mann, der seit dem 25. Juni 1975 an der Spitze des jungen Staates gestanden hatte, war nicht mehr.

Betroffenheit breitete sich aus.

Fragen tauchten auf.

Wieso war das Flugzeug das Präsidenten nicht wie vorgesehen am vorangegangenen Abend gelandet? Wie kam das Flugzeug auf südafrikanisches Territorium? Warum teilte die südafrikanische Regierung den Absturz der TU 134 erst am nächsten Morgen mit?

Maputo und das ganze Land gerieten in einen unerträglichen Spannungszustand.

Außer dem Präsidenten gab es weitere 33 Tote. Zwei kubanische Ärzte waren darunter und die berufserfahrene sowjetische Besatzung. Zehn Menschen überlebten.

Die Nacht zum 21. Oktober war die eigenartigste, die ich in Afrika erlebte.

Es war die Nacht der Ruhe, der Stille, der absoluten Lautlosigkeit.

Kein Leben auf den Straßen.

Keinerlei Geräusche aus den Häusern.

Und – die abertausend Hunde schwiegen still.

Er war, als lauschten Mensch und Tier mit angehaltenem Atem in Erwartung irgendeines Geschehens. In Gedanken durchlebte ich in jener Nacht noch einmal die Vorgänge des Jahres, in dem ich nach zweijähriger Pause nach Mosambik zurückgekehrt war.

Ein Jahr voller Ereignisse.

Die Apokalyptischen Reiter zogen durch das Land.

Zum Weiterlesen: „Wie viele Menschen kamen beim Tod Samora Machels ums Leben?“