Lourenço Marques – Maputo: Aus der Geschichte einer Stadt

Nachdem mir kürzlich durch Zufall die Verwaltung einer Flickr-Gruppe zu „Lourenço Marques / Maputo“ zufiel (der bisherige Betreiber der  Gruppe hatte sich gelöscht), habe ich mich entschlossen, einen Beitrag zur Geschichte dieser faszinierenden Stadt zu leisten. Maputo erlangt im südlichen Afrika zunehmend touristische, ökonomische und politische Bedeutung. Um diese Tendenz zu unterstützen, kann ein Blick in die Geschichte dieser Region hilfreich sein. Deshalb habe ich nachstehend einen Auszug aus meinem Buch „Berichte aus dem Morgengrauen. Als Entwicklungshelfer der DDR in Mosambik“ ausgewählt, der die Entwicklung der Stadt historisch nachvollzieht.

umschlag-berichte aus dem morgengrauen„Aus der Geschichte geplaudert“, In: Rainer Grajek:  „Berichte aus dem Morgengrauen. Als Entwicklungshelfer der DDR in Mosambik“, 2005, S. 56 – 59

Für die Bucht hatten sich die portugiesischen Eroberer schon frühzeitig interessiert. Bereits 1501 oder 1502 hatte der Portugiese João da Nova diesen paradiesischen Flecken Erde entdeckt. Aber zu jener Zeit fing man gerade an, sich weiter nördlich auf der Ilha de Moçambique einzurichten, weil diese für die beabsichtigten Eroberungen und die Handelstätigkeit günstiger gelegen war. 1544 schickte man von dort den Händler Lourenço Marques, der die Handelsmöglichkeiten der Region erkunden sollte. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wechselten die Bezeichnungen für die Bucht häufig: Baia de Lourenço Marques, Baía do Rio da Alagoa, Baía da Alagoa, Baía Formosa, Baía do Cabo dos Correntes. Der portugiesische König Sebastião ordnete schließlich 1575 das Studium der Bucht an. Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts errichteten die Portugiesen die erste militärische Befestigung am linken Ufer des Rio Espírito Santo (des Heiligen-Geist-Flusses).

Schon vorher hatten sie eine befestigte Handelsniederlage am rechten Ufer in Ponta Maone im heutigen Stadtteil Catembe erbaut. Es begann schließlich der Bau des Forts von Lourenço Marques, dem Fortaleza de Nossa Senhora da Conceição (d. i. Maria der unbefleckten Empfängnis, die Schutzheilige Portugals).

Doch schon bald kreuzten Rivalen in Gestalt land- und beutesuchender Holländer auf. 1721 erschien gar eine holländische Expedition und gründete eine Handelsniederlassung, genau gegenüber der portugiesischen. Allerdings hatte der Ruf vom Reichtum der Gegend schon vorher (1694) englische Händler herbeigelockt, die Konkurrenten und Feinde der Holländer waren. (Das hängt mit der Kolonisierung des heutigen Südafrika zusammen.) Als sich die Lage änderte, gingen die Engländer gemeinsam mit den Holländern gegen die Portugiesen vor.

Die holländische Befestigung war nicht von Dauer, sie verschwand 1734 sang- und klanglos. Aber auch mit dem portugiesischen Fort war es nicht weit her, deshalb ließ es der General-Gouverneur 1752 restaurieren. Das wurde auch höchste Zeit, denn nunmehr erschien ein englischer Oberstleutnant in österreichischen (!) Diensten und ließ eine befestigte Faktorei wiederum in Catembe erbauen. Diese Anmaßung von 1777 wurde 1781 mit der Erstürmung des Etablissements durch eine Truppe unter Godinha de Mira bestraft. In einer Beschreibung des Vorgangs ist zu lesen: „Es landeten zwei Kompanien Infanterie und Sipaios sowie eine Artillerie-Abteilung mit Feldgeschützen und Kriegsmunition. Sie bewegten sich schnell in Richtung der österreichischen Feste, ohne vorherige Ankündigung, gaben ihnen keine Zeit, sich zur Verteidigung vorzubereiten.“

Solchermaßen gestärkt, wird die portugiesische Festung am Rio Espirito Santo wiederhergestellt, denn sie lag auf dem für die Kolonialsoldaten unsicheren Territorium des unberechenbaren Häuptlings von Matola. Das heißt, es muss wohl einige Zeit beim bloßen Versuch des Ausbaus des Forts geblieben sein, denn jene erste Periode der kriegerischen Anlage weist in der Zeit von 1782 bis 1786 den Verschleiß von zwei Gouverneuren und vier Interimskommandanten auf. „In diesem Zeitraum von fünf Jahren“, so gesteht der bereits erwähnte Chronist, „gelingt es keinem der Gouverneure, das Fort tatsächlich aufzubauen.“

Die Besatzung schwankte übrigens zwischen 15 und 70 Mann. 1787 gelingt das Werk schließlich, aber die Feindseligkeiten mit den „Pretos“ (den „Schwarzen“) nehmen zu, und „deshalb bedeutete, nach Lourenço Marques zu gehen, freiwillig ein Todesurteil auf sich zu nehmen.“ Zwar gelingt es, den Häuptling Capele zu einer Landschenkung an die portugiesische Krone zu bewegen, doch ach, es tauchen neue Feinde auf. Diesmal sind es französische Legionäre, die das Fort 1796 überfallen, plündern und niederreißen und es gleich wieder verlassen. Doch portugiesischer Kolonialgeist erreicht die Wiederauferstehung im dritten Jahr nach der Zerstörung. Freud und Leid begleiten weiterhin die Kolonialpolitik. Die Engländer unternahmen den Versuch, den Handel rings um die Bucht an sich zu reißen, so dass sich Portugal zu ihrer Vertreibung veranlasst sieht. Das Werk gelingt!

Doch im gleichen Jahr 1815 ermorden die „Kaffern“ den Mann, der dort im Süden die portugiesische Geschichte lenkt – João Pereira de Sousa. Eine portugiesische Handelskompanie setzt sich fest und erlangt 1825 das Handelsmonopol für Elfenbein. Das behält sie immerhin zehn Jahre. Wenn auch der Handel zu blühen scheint, dem Fort widerfährt erneut ein trauriges Schicksal: „Zwei Jahre vorher (1833, d. V.) wurde das Fort durch die Vátuas belagert. Vom 27. zum 28. Oktober wird es von den Portugiesen geräumt, sie ziehen sich mit ihrem Gouverneur auf die Insel Xefina zurück. Alles wird zerstört. Die Vátuas bemächtigen sich des Gouverneurs, ermorden ihn mit außergewöhnlicher Perversität, nachdem man ihn gezwungen hatte, die ganze Nacht zu tanzen… Alles wird (zurück) erobert und wiederhergerichtet, wenn auch der Krieg mit den Vátuas anhält, besonders 1841 und 1843. 1845 geht der Krieg gegen die Vátuas zu Ende, obwohl es noch einige Aufeinandertreffen gab, unter denen besonders das von 1850 hervorzuheben ist.“

Der Häuptling Muzila unterwirft sich der portugiesischen Krone und wird tributpflichtig und „übergibt uns die Gebiete von Muamba, Cherinda, Manhica und Injote bis hin zum Rio Incomati.“

Nachdem das 1862 geschehen ist und man rings um das Fort über „eigenes“ Land verfügt, lebt man etwas sicherer in ihm. 1866 wird es nochmals ausgebaut. Die Ruhe ist trügerisch, denn die Chronik meldet zwei Jahre später, dass „die Einheimischen“ das Fort angriffen. Betrachtete man letztere aus portugiesischer Sicht auch als Störenfriede und Mörder, die den Europäern Böses wollten, so hatte man sich aber auch böser Europäer zu erwehren, die den portugiesischen Eroberern den Kolonialprofit nicht gönnten. Die Geschichte weist einen schwerwiegenden Streit zwischen England und Portugal aus, in dem es um fette Happen ging. Beide Seiten wollten die Territorien, die südlich von Lourenço Marques lagen, dazu die herrliche Insel Inhaca, die Insel der Elefanten und das Gebiet um den Rio Manhica in die eigenen gierigen Hände nehmen. Eine gut bewaffnete Truppe englischer Soldaten unter Führung des Kapitäns Owen drang in das von Portugal in Besitz genommene Gebiet ein und suchte einen Vorwand für die kriegerische Auseinandersetzung.

Offiziell ließen die Mannen von der britischen Insel verlauten, dass sie lediglich geografische und hydrografische Studien zu unternehmen gedächten. Sicherheitshalber bestachen sie einige Häuptlinge der Umgebung. In das Geschehen von 1823 griff nunmehr der mächtige Häuptling von Matola ein und ließ die englische Flagge niederreißen. Fünf Jahre später tauchte nochmals ein englisches Schiff mit gleichen Absichten auf, jedoch zerschlug sich das Vorhaben. Ach, wie waren die Engländer zäh, denn 1861 erschien in der Bucht ein dampfgetriebenes englisches Kriegsschiff mit der strengen Order, die englische Flagge auf der Insel Inhaca und auf der Insel der Elefanten aufzupflanzen. Doch angesichts des portugiesischen Landerwerbs jener Zeit vergrößerte sich der Aktionsradius der Portugiesen und man begann, auch außerhalb des Forts zu bauen. So wurden Fort und Umgebung 1876 zur „Vila de Lourenço Marques“ („Kleinstadt Lourenço Marques“) gekürt, was die Ansiedlung von weiteren portugiesischen Händlern zur Folge hatte. 1887 schließlich wurde sie zur „Cidade de Lourenço Marques“ („Stadt Lourenço Marques“) erhoben, die nach und nach zu dem heranwuchs, was die Stadt Maputo von heute ausmacht.