Pädagogische Lesung

Rainer Grajek, Pädagogische Lesung: Erfahrungen bei der Behandlung der Stoffeinheit 6: Die historische Entwicklung Deutschlands von 1871 bis zur Jahrhundertwende im Geschichtsunterricht der Klasse 8 unter Beachtung einiger Aspekte der problemhaften Gestaltung und der Einbeziehung regionalgeschichtlicher Beispiele. Riesa, 1978. 47 S.

Siehe auch: Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung. Signatur: PL 4793.

Zum Begriff der Pädagogischen Lesung

In der DDR existierte ein zentrales, einheitliches Bildungssystem, das die Bildungs- und Erziehungsziele für alle pädagogischen Einrichtungen festlegte. Damit standen den Lehrern gleiche Lehrpläne in allen Schularten zur Verfügung. Alle Lehrer der DDR unterrichteten so auf der gleichen Arbeitsgrundlage, die Ergebnisse ihrer pädagogischen Bemühungen waren jedoch (den jeweiligen Bedingungen entsprechend) unterschiedlich. Ziel war natürlich, eine hohe Effektivität in der Bildung der Schüler (Wissen, Fähigkeiten) und Erziehung (Persönlichkeitsbildung) zu erreichen. Um die bestehenden Differenzen auszugleichen, wurde der Erfahrungsaustausch der Lehrer angeregt. Pädagogen mit den besten Ergebnissen sollten ihre guten praktischen Erfahrungen anderen Lehrern zur Verfügung stellen. Das geschah in erster Linie bei fachbezogenen Weiterbildungsveranstaltungen im jeweiligen Landkreis. Besonders gute Ergebnisse wurden in Form Pädagogischer Lesungen aufbereitet. Die Organisation erfolgte durch die Pädagogischen Kreiskabinette in den Städten, die auch die Vermittlung eines Betreuers übernahmen. (Nicht jeder, der über gute Erfahrungen verfügt, kann sie auch in wissenschaftlicher Form zu Papier bringen). Also ist eine Pädagogische Lesung die schriftliche Form der Darlegungen der (praktischen) Erfahrungen von Lehrern und Erziehern auf allen pädagogischen Gebieten (Unterricht, Freizeit; innerhalb und außerhalb der Schule) auf der Grundlage der Lehr- bzw. Erziehungspläne, erarbeitet auf wissenschaftlicher Basis (Unterrichtstheorie; Fachmethodik; Pädagogik; Psychologie, …).

Zusammenfassend sei gesagt: Die Pädagogische Lesung war eine anspruchsvolle Form des pädagogischen Erfahrungsaustauschs auf gesicherter wissenschaftlicher Grundlage.

Der Umfang lag in der Regel zwischen 30 und 100 Seiten.

Zur Nutzung der Lesungen

Sie wurden den Lehrern des Kreises und Bezirkes als Weiterbildung angeboten. Der Autor trug sie den Interessenten vor. Bei besonders hohem Niveau der Darlegungen erfolgte eine Weitergabe der Pädagogischen Lesung durch das Pädagogische Kreiskabinett (als verantwortlicher Institution für die Weiterbildung der Pädagogen) an die zentrale Jury in Ludwigsfelde. Diese veranlasste eine Prüfung durch die entsprechende wissenschaftliche Einrichtung. Gleichzeitig erfolgte die Prämierung der besten Arbeiten. Es gab dafür 1. bis 3. Plätze, die mit Geldpreisen zwischen 100 und 200 Mark ausgezeichnet wurden. Die Jury wählte aus, welche anerkannten Werke in der “Woche der Pädagogischen Lesungen” in Ludwigsfelde den interessierten Pädagogen vorgetragen wurden. (Alle Schulen und pädagogischen Einrichtungen der DDR wurden dazu eingeladen. Die Programme wurden ihnen zur Verfügung gestellt.) Nach dem Vortrag in Ludwigsfelde erfolgten Gesprächsrunden mit den Autoren.

Alle in Ludwigsfelde eingegangenen Pädagogischen Lesungen wurden für die weitere Nutzung durch die Pädagogen der DDR in der Bibliothek im “Haus des Lehrers” in Berlin (Alexanderplatz) stationiert. Meines Wissens existiert diese Sammlung noch.