Riesaer war Entwicklungshelfer in Mosambik

Sächsischer Bote, 44. Woche 2005, von Cornelia Dieme

Mosambik ist ein exotisches Land am Indischen Ozean im südlichen Teil von Afrika. „Wenn man am Strand entlang geht, denkt man, man befindet sich in einem Kitschfilm“, sagt Rainer Grajek. Zwischen 1981 und 1986 war er als Berater im Erziehungsministerium in der Hauptstadt Mosambiks, Maputo, tätig. Und hat nicht nur beruflich viel Spannendes erlebt.

Im Auftrag des DDR-Ministeriums für Volksbildung war der Riesaer Lehrerbildner in einem der ärmsten Länder der Welt. „Die Menschen dort müssen mit 80 Dollar im Jahr auskommen, und auf dem Land überleben die meisten nur durch Selbstversorgung“, erzählt Rainer Grajek. Die Armut der Menschen und die Faszination des Landes seien ein absoluter Kontrast gewesen, wie man ihn sich nicht vorstellen könne. Auch viele tragische Schicksale hat er miterleben müssen. Während der 80er Jahre tobte ein Bürgerkrieg in dem afrikanischen Land, der viele Menschenleben kostete. „Auch Lehrer wurden auf offener Straße erschossen“, erinnert sich Grajek.

Eine Frau, deren Porträtfoto er auch auf seinem Buchcover zeigt, ist ihm ganz besonders in Erinnerung geblieben. Sie hat ihrem Mann drei Mädchen geboren, für die er sie wegen der Schande, dass kein Junge dabei war, verlassen hat. „Sie war zu der Zeit schwanger und auch das vierte Kind – endlich ein Junge – konnte ihn nicht bei ihr halten. „Sie war eine zähe Frau“, schätzte der Autor die Situation ein.

Aber auch viele lustige Dinge hat er erlebt. So haben ihn sein damals zweijähriger Sohn und seine Frau begleitet. „Natürlich war der weiße Junge mit den blonden Haaren eine Attraktion in Maputo. Einige Frauen waren so fasziniert, dass sie ihn ohne zu fragen aus dem Kinderwagen genommen und begutachtet haben“, lacht er noch heute.

Was der Riesaer erlebt hat, schrieb er gleich nach seiner großen Reise nieder. Doch zu DDR-Zeiten fand sich kein Verlag, der das Buch veröffentlichen wollte. „Mir wurde Geheimnisverrat und Preisgabe von Insiderwissen vorgeworfen“, so Grajek.

Nun erschien sein Buch „Berichte aus dem Morgengrauen“ und an seiner damaligen Version hat er nichts geändert. „Mit den Zeilen, die schon über 20 Jahre alt sind, möchte ich bewahren, wie es zu DDR-Zeiten geschrieben wurde. Außerdem gibt es am Ende des Buches ein Kapitel über das heutige kapitalistische Mosambik, das ich Anfang des Jahres zu Recherchezwecken bereist habe.“

Das Buch ist auf der einen Seite ein historisches Dokument und auf der anderen ein Blick auf die aktuelle Situation des afrikanischen Landes. Interessierte Leser können es in der Buchhandlung kaufen oder direkt beim Autor für 15,95 Euro erwerben.