Schwarzer Napoleon zu Gast in Riesa

SZ Riesa, 17. Oktober 2005, von Brigitte Abend

Spannung. Rainer Grajek berichtete in der Riesaer „Restauration zur Kaiserkrone“ über das Leben des afrikanischen Königs Shaka Zulu.

In Europa kennt ihn kaum jemand. Im südlichen Afrika ist er nach wie vor eine Legende. Shaka Zulu war einer der erfolgreichsten, aber auch blutigsten Könige Afrikas. Rainer Grajek berichtete jetzt in der Riesaer „Restauration zur Kaiserkrone“ aus dem Leben eines Mannes, der oft auch der schwarze Napoleon genannt wurde. Zahlreiche Gäste nahmen an der historischen Reise durch das südliche Afrika teil. „Es dauerte 150 Jahre, bis man in Europa und Amerika auf die Ereignisse aufmerksam wurde, von denen ich ihnen erzählen möchte“, weckte Grajek, der mehrere Jahre in Angola und Mosambik Geschichtslehrer ausgebildet hatte, die Neugier seiner Gäste. Mitte der 80-er Jahre erlangte Joshua Sinclair mit seinem Roman über Shaka Zulu Weltruf, die Fernsehserie zu diesem Thema lief weltweit.

Verstoß gegen den Ahnenkult

Shaka wurde 1787 als Kind einer heimlichen Liebe geboren. Damit verstieß seine Mutter Nandi (die Süße) gegen die Tradition und gegen Ahnenkult. Nach vielen Anfeindungen floh sie mit ihrem Sohn, der den Beinamen Zulu (Himmel) bekam. Die Flucht endete schließlich beim Stamm der Mtetwa und dem mächtigsten Häuptling im südlichen Afrika. Shaka wurde sein Vertrauter, nach dessen Tod Häuptling. Durch Brudermord wurde er auch der Herrscher des Stammes, dem einst sein Vater vorstand.

Shaka Zulu avancierte zum König der Könige und nutzte seine Macht, um sich für das Unrecht, das ihm und seiner Mutter angetan worden war, blutig zu rächen.

Er bildete seine Krieger systematisch aus, stellte Regeln für den Nahkampf auf, veränderte Waffen und entwickelte darüber hinaus eine neue Angriffsstrategie. Zuweilen umfasste sein Heer immerhin 50 000 Krieger. Mit ihm baute er sein Reich aus, größer als das napoleonische in Europa. Mehr als eine Million Menschen wurden in seinem Namen ermordet. Unter seiner Herrschaft kam es darüber hinaus zur größten Völkerwanderung und Völkerverschmelzung Afrikas.

Als 1827 seine Mutter starb, schickte Shaka 7 000 Trauergäste mit in ihr Grab. In der Folge ließ er 150 000 Menschen abschlachten. Im Jahre 1828 wurde Shaka Zulu ermordet. Jahre danach ging das Zulureich nach einer verlorenen Schlacht unter.

Doch Rainer Grajek beließ es bei seinen Ausführungen nicht bei der großen afrikanischen Politik. Schilderungen vom Stammesleben sowie kleine Episoden lockerten das Thema auf.

Sein Sohn Andreas las zur Verdeutlichung der Inhalte aus dem Roman von Joshua Sinclair vor.

In Afrika lebt Shaka fort

„Sehr interessant“, lobte die Riesaerin Anneliese Müller die Schilderungen. Ihr war vieles unbekannt. Besonders wichtig waren für sie die Hintergründe zur damaligen Völkerwanderung und zum Ahnenkult. Werner Wiese war einer der Zuhörer, der viele Vorkenntnisse zum Thema des Abends mitbrachte. Er hatte Sinclairs Roman gelesen und die Fernsehserie verfolgt. Und fachsimpelte mit dem Referenten über einen der widersprüchlichsten Herrscher, die der dunkle Kontinent hervorgebracht hatte. Und der heute noch in den Legenden des südlichen Afrikas weiterlebt.