Spurensuche

Ich bin kein Drogen-Junkie. Ich bin kein Trinker. Ich arbeite gern. Habe nichts verbrochen. War nicht im Gefängnis. Ich bin jung. Bin 1,75 Meter groß und sehe annehmbar aus. Raucher.

Aus meiner Sicht bin ich ein normaler Mensch. Aber ich bin im Obdachlosenheim gelandet! Landen normale Menschen im Obdachlosenheim? Oder bin ich nicht so normal wie andere Mitbürger? Wo liegt mein Problem? Verdammt, was habe ich aus meinen 25 Jahren gemacht!

Ich bin auf Spurensuche in mir selbst. Warum bin ich so wie ich bin? Meine Suche beginnt in meiner Kindheit.

Im Dezember 1982 kam ich in R. zur Welt. Meine Eltern gaben mir den Namen Jens. Mit ihnen und meinen Geschwistern habe ich mich immer gut verstanden. An meiner Mutter und meiner jetzt 31-jährigen Schwester, die Verkäuferin in einer Oschatzer Bäckerei ist, hänge ich besonders. Eine andere Schwester starb mit 24 an einer schlimmen Krankheit. Genau am letzten Tag des Jahres 2000. Die beiden anderen Schwestern sind jünger als ich. Eine geht noch zur Schule, die andere in die Malerlehre.

Mutter beschützte uns. Sie ist jetzt 53. Groß, kräftig, versteht zuzupacken. Sie hat lange Zeit als Küchenhilfe gearbeitet, aber nun ist sie arbeitslos.

Der Vater war Koch in einem Restaurant nahe dem Bahnhof meiner Geburtsstadt R.. Einmal, im Winter, rutschte er auf der eisglatten Straße aus und fiel mit dem Rücken auf die Bordsteinkante. Der Schaden ließ sich nicht mehr beheben. Mit seinen 55 Jahren sitzt er nun arbeitslos und berufsunfähig zu Hause.

So weit zu meiner Familie.

Werfen wir mal einen Blick auf meine Schulzeit.

In den ersten vier Klassen machte mir das Lernen Spaß, besonders das Rechnen.

In der sechsten Klasse brachen meine Leistungen ein. Von dem, was in Physik gelehrt wurde, verstand ich kein Wort. Das Interesse an der Schule ging mir dadurch völlig verloren. Es kam so weit, dass ich ab der siebenten Klasse die Förderschule besuchen musste. Die Lehrer dort gaben sich mit mir redliche Mühe, ich kam gut klar, aber Begeisterung für das Lernen entstand nicht. Etwas Praktisches zu machen wäre mir lieber gewesen. Es war meine eigene Entscheidung, die Schule nach der neunten Klasse zu verlassen, obwohl ich die Möglichkeit zum Besuch der zehnten gehabt hätte.

Ich wollte Maler werden. Mein Berufsideal.

Ein Maler gestaltet mit seinen Farben eine finstere Bude zu einer freundlichen Wohnung um. Diese macht die Menschen froher. Haben Sie mal ein Zimmer gesehen, das mit warmen Gelbfarben, so ins Goldgelbe gehend, ausgemalt ist? Wenn dann die Sonne noch hinein scheint, kommt man sich vor wie am morgendlichen Sandstrand von … na sagen wir mal … Mauritius oder …na, Sie wissen schon.

Jedenfalls ließ ich die Langeweile der Schule hinter mir und ging ins Berufsleben.

Im Berufsbildungszentrum (BBZ) in Strehla sagte man mir: „Also, wenn du Maler werden willst, musst du vier Jahre bei uns bleiben. Das erste Jahr ist ein Vorbereitungsjahr. Da wollen wir deine Eignung testen. Wenn die vorhanden ist, folgen drei Lehrjahre.“

Ein Traum begann sich zu erfüllen. Drei Tage in der Woche wurde praktisch gearbeitet. Zwei Tage beschäftigten wir uns in der Berufsschule der Stadt Gröditz mit den theoretischen Fragen.

Die Arbeit und das Lernen fielen mir leicht. Ich spürte, wie sich meine beruflichen Fertigkeiten vervollkommneten und war stolz auf das Erreichte. Die Zeit am BBZ war die bis dahin erfolgreichste in meinem Leben.

Aber das gute Ende ging in einen bitteren Lebensabschnitt über.

2001 hielt ich den Facharbeiterabschluss als Maler in den Händen. Zum ersten Mal hatte ich etwas Großes geschafft, hatte ein selbst gestecktes Ziel erreicht.

Das BBZ bildete jedoch nur aus, konnte die Ausgebildeten nicht behalten. So wurde ich direkt in die Arbeitslosigkeit entlassen. In der befinde ich mich bis heute. Auf keine meiner Bewerbungen bei Gröditzer, Elsterwerdaer und Oschatzer Firmen gab es eine positive Antwort.

Mit der Arbeitslosigkeit kamen die Langeweile und die Probleme. Ich war 19.

Unsere Familie war unterdessen nach Gröditz umgezogen.

In dieser Zeit entdeckte ich die Liebe in Gestalt eines rothaarigen, schlanken Mädchens. Sie war von Beruf Köchin, konnte aber, wie ich, nach der Lehre keine Anstellung finden.

In Gröditz besaß sie eine Zweiraumwohnung. Mit ihrem und dem Einverständnis meiner Eltern zog ich zu ihr. Große Sprünge konnten wir – geldlich gesehen – nicht machen. Wir lebten vom Arbeitslosengeld, und am Anfang überdeckte der Liebestaumel die materiellen Nöte. Bald merkte ich, dass sie mich belog und hinterging. Sie hatte ein Auto und tankte auf meine Rechnung. Sagte, dass sie einkaufen gehen wollte und vergnügte sich im Stadtbad. Zu Hause saß sie tagelang über ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Zusammensetzen von Puzzles. Mittags verschwand sie und ging zum Essen zu ihrer Oma.

Mit der Zunahme der Lügen und Spannungen verflog meine Zuneigung zu ihr, und nach zwei Jahren trennten wir uns.

Nach Hause zu den Eltern konnte und wollte ich nicht mehr.

Ich nahm mir eine Einraumwohnung am Stadtrand von Gröditz.

Nun hatte ich von den 322 Euro Arbeitslosengeld, die ich bekam, 158 Euro Miete zu bezahlen. Von dem, was übrigblieb, mussten Strom, Wasser, Nahrung und Kleidung beglichen werden.

Das Einzige, worüber ich reichlich verfügte, war Freizeit. Um sie nicht mit Langeweile zu füllen, ging ich zu Bekannten und verschönerte ihre Wände mit Farbe, reparierte die Fahrräder meiner Freunde, fuhr mit ihnen ins Freibad nach Zaischa und blieb trotzdem einsam im Kreis meiner Clique. Von den etwa 15 Mann hatten außer mir alle Arbeit als Tischler oder Maurer beziehungsweise waren in der Ausbildung zu diesen Berufen. In unserer Freizeit trafen wir uns am Spielplatz und quatschten. Wir waren eine unauffällige Truppe. Keiner nahm Drogen, unser Bierverbrauch war nach unseren Maßstäben normal.

Oft fuhr ich mit dem Zug zur Schwester nach Oschatz.

Von meinem Geld sparte ich mir einen Teppich für die Wohnung zusammen, kaufte preiswert in der Möbelbörse ein, und Mutter gab mir ihr Fernsehgerät.

Da saß ich nun und schlug die Zeit tot.

Von dem, was mir gelegentliche Malerarbeiten und Fahrradreparaturen einbrachten, kaufte ich neues Malerhandwerkszeug und Fahrradersatzteile.

Dadurch blieb von den Nebeneinnahmen natürlich nichts übrig. Und das Arbeitslosengeld reichte hinten und vorn nicht. Es kam vor, dass ich mir etwas kaufte und die Summe für die Miete nicht mehr auf dem Konto war. Als das ein paar Mal geschehen war, lagen Mahnungen von der Wohnungsgenossenschaft im Briefkasten. Dann schickten sie mir jemanden von der Genossenschaft ins Haus. Ich versprach Besserung und machte weiter so wie bisher. Um den Besuchen und den Mahnungen aus dem Weg zu gehen, richtete ich es so ein, dass ich nicht zu Hause war, wenn der Mann von der Wohnungsgenossenschaft kam.

Meine Mietschulden wuchsen auf 3200 Euro an. Unterdessen hatten sie mir den Strom abgeschaltet. Wenn ich glaubte, es ging nicht mehr weiter, ging ich zur Mutter. Ich versprach ihr, die Schulden zu bezahlen, aber ich brach mein Versprechen.

Das ging bis 2006. Mich ereilte die Aufforderung, die Wohnung zu verlassen. Am 24. April war der Gerichtsvollzieher bei mir erschienen. Punkt sieben Uhr klingelte es an der Tür, und vier „Ausräumer“ betraten meine Wohnung. Zuerst wurde kontrolliert, was an pfändbaren Dingen da war. Sie nahmen die Schrankwand, die Küche und das Sofa mit.

Ich musste die Wohnung mit dem Wenigen, was mir verblieben war, verlassen.

„Stell alles in meinen Keller“, bot mir Mutter an. Also schleppte ich den kaputten Fernseher hin. Auch meine persönlichen Sachen und das, was mir besonders lieb war: etliche Videos, CDs von meinen Lieblingsmusikern und –sängern, zum Beispiel die von Scooter, Wolfgang Petry, den Sängerinnen Michelle und Andrea Berg.

„Junge, was machen wir jetzt mit dir?“

Mutter fragte und wusste Rat. Sie ging mit mir ins Gröditzer Rathaus, obwohl sie ziemlich sauer auf mich war. Ich hatte ihr die tatsächliche Höhe der Schulden verschwiegen und auch den Ernst der Lage bezüglich der Wohnung. Erst schimpfte sie mit mir. Vater war nicht da.

Also, wir hin ins Rathaus.

„Wir haben hier keine Möglichkeit Sie unterzubringen“, sagte die Dame im Amt.

„Vielleicht kann man Ihnen in R. helfen. Ich rufe mal das dortige Deutsche Rote Kreuz an, das betreibt ein Obdachlosenheim, welches auch schon Gröditzer Bürger aufgenommen hat.“

In meinem Hirn setzte sich das Wort „betreibt“ fest.

Wurde ich jetzt dahin getrieben?

Die Verbindung zum Obdachlosenheim klappte sofort. Am anderen Ende der Telefonleitung wurde die Möglichkeit einer Aufnahme bestätigt.

Mich packte das Grauen. In meinem Kopf drehte sich alles.

Ich war 24.

Ich muss ins Obdachlosenheim!

Mit 24!

Mein Leben wendete sich total.

Obdachlosenheim. Nach dem, was ich mir darunter vorstellte, war dort ein Sammelsurium von Gestrauchelten, von Ex-Knastis und Bald-Knastis, von Säufern, die den ganzen Tag im Stadtzentrum rumhingen, Leute anpöbelten und bettelten, Arbeitsscheue, Ungebildete, bei denen der Geist zum Erlernen eines Berufes nicht gereicht hatte, die die Schule früh verlassen hatten. Da waren Gewalttäter und vom Leben Enttäuschte.

Mein „Wissen“ über ein Obdachlosenheim hatte ich aus einigen Fernsehreportagen, die über Obdachlose in Großstädten berichtet hatten.

Wenn es den Zweifel nicht schon gäbe, ich hätte ihn jetzt erfunden. So wie ich musste sich ein verirrter Regenwurm in den Sanddünen der Sahara fühlen.

In dieses Heim würde ich nicht allein hingehen. Nie!

Die Mutter musste mit! Wenn sich jemand in großer Not und Gefahr befindet, ist sein erster Gedanke stets der an die Mutter. Soldaten, die im Krieg eine tödliche Verwundung erleiden, schreien mit dem letzten Gedanken und mit letzter Stimme nach der Mutter. Da werden in uns uralte Instinkte abgerufen, die uns zur Beschützerin treiben und die Sehnsucht nach der Wärme ihrer Umarmung auslösen.

„Mutter.“

Mutter ging mit.

Sie bat eine Bekannte, uns mit ihrem Auto ins Obdachlosenheim zu fahren.

Gegen 15 Uhr kamen wir an und wurden ins Büro der Leiterin gebeten.

Sie befragte mich zur Person. Erklärte die notwendigen Schritte für die Aufnahme, erläuterte mir die Hausordnung und ließ mich die Verhaltensregeln unterschreiben. Ich hatte den Eindruck als sei ich ein hilfloses Kind, das gleich von der Mutter verlassen wird.

Die Angst steigerte sich zur Panik, die mir die Kehle zuschnürte und einen Druck in Kopf und Brust verursachte, der durch ein Meer von angestauten Tränen noch verstärkt wurde.

Sturzbäche strömten unaufhaltsam aus meinen Augen.

Ich weinte hemmungslos.

Als alle Tränen aus mir herausgelaufen waren, gaben sie den Blick auf meine Seele frei. Nackt und bloß lag sie da. Und hilflos.

Frau G. sagte: „Wenn Sie wollen, helfen wir Ihnen.“

Ich war ohne Wohnung, ohne Geld, hatte Schulden, keine Arbeit, keinen Mut und von allem die Schnauze voll.

Was gab es da zu helfen!

Frau G. sah, dass meine Seele zuckte und lebte.

„Wir helfen Ihnen!“

Keine Vorwürfe, keine großen Fragen.

„Wir helfen Ihnen!“

Mein Innerstes trocknete allmählich, und ich wurde nüchtern.

Ich glaubte das, was Frau G. sagte. Die Art, wie sie das sagte, machte sie glaubhaft.

Sie sah also in mir, den sie eigentlich gar nicht kannte und der sich vor ihr ausgeheult hatte, keinen hoffnungslosen Fall.

Mein Körper richtete sich auf.

Jetzt wurde mein Blick klarer.

Manchmal habe ich den Eindruck, als wenn ein unsichtbarer Geist mich auf meinen Wegen begleitet und mein Schicksal lenkt.

Gerade jetzt, da ich am Tisch sitze und meine Gedanken aufschreibe, höre ich aus dem Radio, das ich bisher nur im Unterbewusstsein wahrgenommen habe, einen Satz, der direkt an mich gerichtet scheint. Es lief nämlich eine Sendung über den Schriftsteller Hesse. Hermann Hesse. Wir hatten in der Schule mal was von Ihm gehört, aber ich hatte ihn und seine Werke vergessen. Hatte mich nicht interessiert. Doch gerade jetzt spricht der Moderator über ihn.

„Hermann Hesse hat einmal gesagt: Jedem Anfang liegt ein Zauber inne.“ Der Satz dringt mir in die Ohren und ins Hirn.

Ein Zauber?

Zauber im Obdachlosenheim? Was soll das?

War wohl kein Praktiker, der Herr Hesse.

Ich korrigiere seinen Ausspruch. Es muss heißen: Jedem Anfang wohnt die Hoffnung inne.

Das kann ich beweisen.

Ob ich jetzt auch in die Literatur eingehe?

Doch zurück zu jenem Tag im April.

Eine schwache Hoffnung war in mir. Sie glimmte als ein winziges Lichtlein, das durch den ersten Luftzug vom Erlöschen bedroht war.

Mutter verabschiedete sich mit dem Ratschlag: „Mach hier keinen neuen Sch…!“

„Wir legen Sie ins Zimmer 104“, klang die Stimme von Frau G. herüber.

Also ab in besagtes Zimmer. Da waren schon zwei Bewohner. Sie nahmen mich freundlich auf. „Du darfst keinen Alkohol ins Heim schmuggeln, das gibt sonst Ärger mit dem Personal und der Leitung.“ Das nahm ich nickend zur Kenntnis.

Dann ging ich ins Freie und versuchte bei einem langen Spaziergang meine Gedanken zu sammeln.

Die ersten drei Tage waren Langeweile pur. Ich hatte nichts zu tun, abgesehen von den notwendigen Gängen zu den Ämtern. Habe mir dann mein geliebtes Fahrrad aus Gröditz geholt.

Allmählich gewöhnte ich mich an das Leben im Heim und an seine Bewohner. Das waren gar nicht die Monster, die meine Vorstellung mir vorgegaukelt hatte. Natürlich waren Trinker dabei, aber auch solche Menschen, die ein ähnliches Schicksal wie ich erlitten hatten und wegen angehäufter Schulden, Wohnungs- und Arbeitslosigkeit hier gelandet waren.

Dann hatte ich Glück. Ein 1-Euro-Jobber hatte seine Arbeit hingeschmissen, hatte seinem Widerwillen gegenüber Arbeit nachgegeben. Die Heimleitung bot mir an, seinen Platz einzunehmen. Ich wurde für ein Jahr eingestellt.

Zum DRK gehört nicht nur das Obdachlosenheim, sondern auch ein Seniorenklub, ein Kindergarten und ein Hort sind angeschlossen. Dann ist da noch das Verwaltungsgebäude.

Und bei uns im Heim gingen wir unter der Leitung von Arbeitstherapeuten und anderen Verantwortlichen der Arbeit nach. Die Kleidersammlung in der Stadt wird von uns durchgeführt. Wir reinigen das Gelände einer Sportarena nach Großveranstaltungen und gehen weiteren Tätigkeiten nach. Manchmal bin ich Herrn T. zugeteilt. Der gibt klare Anweisungen und ist selbst ein 1a Handwerker. Wir sind ein prima Team. Arbeit gibt es in allen DRK-Einrichtungen. Ich empfinde Arbeit als Wohltat, und weil ich sie gern mache,  wird das Ergebnis meist gut.

Man lässt mich häufig selbstständig arbeiten, weil ich als zuverlässig gelte.

Am schönsten ist das Lob für gute Arbeit.

„In Ordnung“, ruft Herr T.

„Gut gemacht, Jens“, sagt die Heimleiterin.

Das macht mich stolz und gibt mir Kraft.

Die Krönung des Lobes aber ist die, wenn Frau G. das Ergebnis meiner Arbeit zur Kenntnis genommen hat und sagt: „Sehr gut gemacht, Jensi!“

Auf das „i“ beim Namen kommt es an. In diesem angehängten „i“ steckt das höchstmögliche Lob überhaupt. Das ist, als hätte man mir den Nobelpreis oder den Oscar verliehen.

„Sehr gut gemacht, Jensi!“ Da zieht es mir heiß durch Brust und Magen und dann in den Kopf. Es hat jemand meine Leistung anerkannt und gelobt.

Unterdessen bin ich beim gesamten DRK bekannt und habe mir etliche „i“ als Namensende erworben.

Das hat wohl auch dazu beigetragen, dass ich ins betreute Wohnen übernommen werden konnte. Da haben wir zu zweit ein Zimmer und können über den Schlüssel verfügen.

Frau G. und ich haben einen Plan gemacht, wie ich meine Schulden abbauen kann. Jetzt lege ich jeden Monat 50 Euro zurück.

Ich bin hier gut aufgehoben.

Bei meiner Spurensuche stellte ich mir anfangs meine Seele als einen Müllberg vor, der sich Jahr für Jahr mit meinem Fehlverhalten aufgehäuft hatte und mein Ich zu ersticken drohte.

Jetzt habe ich durch die Hilfe der DRK-Leute erstmals die Kraft gefunden, mich durch den Dreck hindurchzugraben und mein Ich zu befreien.

Seitdem es mir wieder besser geht, fange ich an von einer Zukunft außerhalb des Heimes zu träumen.

Irgendwann möchte ich eigenen Wohnraum haben und natürlich Arbeit als Maler. Ein Leben ohne Schulden, das wäre was, ist ja auch schon eingeleitet. In der Fahrschule werde ich meinen Führerschein machen und ein Auto besitzen. Aber was ist ein Auto ohne Freundin? Ich werde eine auf Dauer finden, auch wenn sie rothaarig sein sollte. Habe mich schon mal unter den Töchtern des Landes umgesehen und bin fündig geworden. Sandra heißt sie. Nein, heiraten will ich nicht, zumindest jetzt noch nicht. Ich habe noch einen anderen Traum: Ich möchte mal Ferien in Spanien machen. Warum Spanien? Weiß ich nicht, vielleicht, weil ich mir Spanien sonnig und schön vorstelle. Meine Freundin und ich wohnen in einem wunderbaren Hotel, vor dem viele bunte Blumen blühen. Wir sitzen dann am blauen Pool und ich erkläre den Leuten auf der benachbarten Liege, was ein Maler so drauf hat.