Über die Beziehungen zwischen Mosambik und der DDR

Die Beziehungen der DDR zu Mosambik gehen zurück bis in die Zeit des beginnenden Befreiungskampfes des mosambikanischen Volkes gegen die fast 5oo-jährige portugiesische Kolonialherrschaft in den 6oer Jahren des vorigen Jahrhunderts. Beide deutsche Staaten waren in die zwei existierenden Weltsysteme integriert und in den Kalten Krieg einbezogen. So ergab sich für die zum Sozialismus strebende DDR eine natürliche Allianz mit der aus verschiedenen ethnischen Befreiungsorganisationen 1962 hervorgegangenen FRELIMO (Mosambikanische Befreiungsfront), an deren Spitze der ehemalige UNO-Mitarbeiter Eduardo Mondlane stand.

Im Interesse einer sozialismusfreundlichen Weltordnung und deren Verankerung auch auf dem afrikanischen Kontinent gestaltete die DDR eine Außenpolitik, die günstige Bedingungen für die eigene Entwicklung schaffen und internationale Anerkennung bringen sollte. Das schloss die antiimperialistische Solidarität und Hilfe beim Sturz des überlebten Kolonialsystems ein.

Während internationaler Treffen festigten sich die Kontakte zur FRELIMO, die 1964 den bewaffneten Kampf gegen die Portugiesen aufnahm und seit 1967 mit der diesbezüglichen Unterstützung der DDR rechnen konnte.

Mit der Ausweitung dieses Befreiungskampfes stieß die DDR mit ihrer begrenzten wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bald an die Grenze ihrer Möglichkeiten.

Nach der Ermordung Mondlanes übernahm Samora Moises Machel die Führung der FRELIMO und führte Mosambik am 25. Juni 1975 in die Unabhängigkeit.

Unterdessen war in vielen anderen afrikanischen Staaten das koloniale Joch abgeschüttelt worden. In der DDR wurden Namen wie Nelson Mandela, Patrice Lumumba, Julius Nyerere, Agostino Neto und Samora Machel bekannt und zu Symbolen des antikolonialen Befreiungskampfes.

Die Regierung des jungen Staates Mosambik stand vor riesigen Aufgaben im Kampf gegen Hunger, Nacktheit, Krankheit, Analphabetentum, Tribalismus, Rassismus und Unterdrückung.

Das damalige Südrhodesien und der Apartheidstaat Südafrika versuchten, die für sie gefährliche Entwicklung in Mosambik aufzuhalten. Zunächst unterstützten sie militärisch und finanziell bewaffnete Banden, die seit 1976 vom Norden Mosambiks her die Konterrevolution ins Land trugen. Das Engagement Südafrikas steigerte sich zum nichterklärten Krieg gegen den jungen Nachbarstaat.

In der DDR ging man davon aus, dass die Beziehungen zu Mosambik beiden Seiten zum Vorteil gereichen sollen. So war geplant, Steinkohle aus Mosambik in die DDR einzuführen und Lastkraftwagen sowie landwirtschaftliche Maschinen und Ausrüstungen zu exportieren. Im Gegenzug wurden unter anderem Lizenzen für den Fang von Tiefwassergarnelen an den ostdeutschen Staat vergeben. Die DDR stellte Mosambik dafür ihre umfangreichen Erfahrungen auf dem Gebiet des Steinkohlebergbaus, der landwirtschaftlichen Produktion, des Transport- und Bildungswesens zur Verfügung. Das geschah vor allem mit der Bereitstellung erfahrener qualifizierter Fachkräfte, die in mosambikanischen Ministerien, im Bankwesen, im Steinkohlerevier von Moatize, in der staatlichen Verwaltung und in ausgewählten Industriekomplexen als Berater tätig wurden.

Auf dem Bildungssektor halfen die deutschen Cooperantes mit, ein neues Bildungssystem zu entwerfen, zu planen und schrittweise in die Praxis umzusetzten. Das „Neue System der Erziehung“ (SNE) sah die Herausbildung eines „Homem Novo“ („Neuen Menschen“) als Ziel der mosambikanischen Gesellschaft vor. Die zum Zeitpunkt der Befreiung existierenden 93 % Analphabeten in der Bevölkerung sollten sich in einem schrittweise auszuweitenden Schulsystem zu Erbauern einer befreiten Gesellschaft qualifizieren. Den Kindern des Volkes sollte kostenloser Schulunterricht gegeben werden.

Doch der Bau neuer Schulen, die Ausbildung von Lehrern und die Herstellung neuer Lehrbücher gingen schleppend voran. Die marodierenden Banden der RENAMO („Mosambikanischer Widerstand“) zerstörten die eben geschaffenen Infrastrukturen, vernichteten Schulen, töteten Lehrer, unterbrachen die Verkehrsverbindungen und zwangen den Staat, immer mehr finanzielle Mittel in die militärische Verteidigung zu investieren. Die Banden gingen mit unvorstellbarer Brutalität gegen die Bevölkerung vor und verschonten auch die ausländischen Berater nicht.

Zu meinen schlimmsten Erinnerungen gehört die Ermordung von sieben DDR-Bürgern auf dem Weg zur Arbeit in der Staatsfarm Unango in der Nordprovinz Njassa im Jahr 1984. Es gab außerdem zwei Verletzte, von denen einer nicht überlebte.

Die Sicherheitslage im Land verschlechterte sich zunehmend, obwohl es 1984 das Nkomati-Abkommen über Nichtangriff und gute Nachbarschaft mit der Republik Südafrika (RSA) gegeben hatte. Die mit dem Vertrag verbundenen Hoffnungen der Mosambikaner auf Frieden im gequälten Land und auf ökonomische Zusammenarbeit wurden bitter enttäuscht.

Als im Kampf der beiden Weltsysteme nur eins überlebte, kam auch für Mosambik die Wende. Obwohl die FRELIMO, die sich 1977 zur Partei erklärte, trotz Parteienpluralismus auch nach 199o regierende Kraft blieb, geriet das Land in den Strudel der Globalisierung und in die totale Abhängigkeit von Weltbank und WTO.

Die heutige Premierministerin Luisa Dias Diogo war schon seit den 8oer Jahren Vertreterin der Weltbank in Mosambik. Staatspräsident Armando Guebuza – einst glühender FRELIMO-Kämpfer gegen Kapitalismus und Ausbeutung – ist heute Multimillionär und gilt als der reichste Mann des Landes, das die UNO seit Jahren zu den ärmsten Staaten der Welt zählt.

Heute ist das riesige Land in den Händen südafrikanischer und aus Simbabwe vertriebener Farmer, die es für ein Spottgeld für 99 Jahre pachten. Der mosambikanische Bauer verdingt sich als Landarbeiter und blickt mit Erstaunen auf die Hauptstadt Maputo, wo sich eine kleine reiche Clique mit westlichem Luxus etabliert hat und die in die Stadt strömenden Leute vom Land das Heer der Arbeitslosen vergrößern und Kriminalität und Prostitution erschreckende Ausmaße annehmen.

Von den einstigen Anstrengungen auf dem Gebiet des Bildungswesens ist nichts geblieben. Das gilt im wesentlichen ebenso für die anderen Bereiche, in denen DDR-Berater tätig waren.

Der Bürgerkrieg ist beendet, seit der damalige Präsident Chissano 1992 in Rom ein Friedensabkommen mit RENAMO-Chef Dhlakama schloss. Unterdessen hat die Regierung ein bis 2oo8 geltendes Entwicklungsprogramm für den Bildungsbereich sowie auch einen „Aktionsplan zur Reduzierung der absoluten Armut“ auf den Weg gebracht.

Ich habe in meinem Buch „Berichte aus dem Morgengrauen. Als Entwicklungshelfer der DDR in Mosambik“ die Entwicklung des Landes vor allem in den 8oer Jahren dargestellt, habe von den Hoffnungen und Enttäuschungen der Menschen, ihren Siegen und Niederlagen geschrieben. Der nichterklärte Krieg Südafrikas und die tödlichen Aktionen der RENAMO werden darin bildhaft beschrieben und eigenes Erleben eingeflochten. Die Folgen der Trockenheit in der ersten Hälfte der 8oer Jahre werden ebenso dargestellt wie die Begegnungen mit freundlichen friedliebenden Menschen und ihren Traditionen, ihrem Glauben, ihren Lebensweisen, ihrer Kultur. Es schließt resümierend mit dem Blick auf den Zustand des Landes, wie er sich beim Besuch Maputos im Jahre 2005 offenbarte.