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Österreich in der Geschichte Maputos

Geschichtsinteressierte Leserinnen und Leser aus Österreich werden sich mit Verwunderung fragen, welche Rolle ihr Land und ein von mir erwähnter „englischer Oberstleutnant in österreichischen Diensten“ im Jahr 1777 in der Geschichte von Lourenço Marques, dem heutigen Maputo, spielen. Die folgenden Ausführungen sollen diese Frage beantworten. 

In der Bucht von Maputo (damals: „Baia de Lourenço Marques“, „Baia de Lagoa“, „Delagoa Bay“) hatte sich bis zum 18. Jahrhundert eine rege Handelstätigkeit entwickelt, die im Verlaufe ihrer Entwicklungsphasen (Gold-, Elfenbein- und Sklavenhandelsphase) nicht nur portugiesische Interessenten angelockt hatte.  

Vor allem die dort ansässigen NGUNI exportierten Elfenbein und kauften Glasperlenschmuck, Messingbarren, Armreifen und Textilien. Die Stämme der Region kämpften um die Kontrolle des Handels. Eine ökologische Krise und soziale Konflikte führten dazu, dass die Zahl der politischen Einheiten (Chefaturas und Königreiche) um das Jahr 1770 auf etwa 20 abgesunken war.  

Die Sklavenhändler machten reichlich Profit, sie kauften den Häuptlingen Menschen ab und veräußerten sie auf den Plantagen Brasiliens, Kubas und auf den französischen Inseln im Indischen Ozean.  

Österreich war an diesen Vorgängen nur gering beteiligt. Es hatte aber schon 1725 in den Wiener Verträgen Interesse an den Kolonien gezeigt und Spanien gewährte den österreichischen Kaufleuten in den Kolonien die gleichen Vorrechte wie den Seemächten. 1731 verzichtete es im sogenannten Zweiten Wiener Vertrag auf den Überseehandel. Allerdings stieg 1775 dieses Interesse wieder an, weil verschiedene Sonderzölle im Sinne des Merkantilismus aufgehoben und solche für die Einfuhr von Rohprodukten gesenkt wurden. Das bewirkte jedoch nicht, dass Österreich sich um Kolonien bemühte, sondern es versuchte, Beteiligungen mit bescheidenen Aufwendungen zu erreichen. 

Da kam der Brite WILLIAM BOLTS (1738-1808) ins Spiel. Er wurde in Amsterdam geboren, war lange in Indien als Angestellter der East India Company tätig. Später machte er sich unabhängig und hielt sich in Portugal auf. Er wusste, dass die „Baia de Lagoa“ zwar 1544 schon von den Portugiesen besetzt wurde, aber lange Zeit außerhalb ihrer Siedlungsvorstellungen lag. Eine von den Holländern 1721 errichtete Station wurde neun Jahre danach wieder aufgegeben. 

1775 bot Bolts der kaiserlichen Regierung Österreichs seine Dienste an und machte einen Vorschlag zur Wiederherstellung des Handels mit Indien vom Hafen Triest aus. Er wurde von der Regierung der Kaiserin Maria Theresia angenommen. 

1776 führte er ein Schiff unter der kaiserlichen Flagge und war im Besitz einer österreichischen Handelsermächtigung. Im März 1777 gründete Oberstleutnant William Bolts eine österreichische Faktorei in der „Baia de Lagoa“, ließ einen kleinen Hafen anlegen sowie ein Fort mit zwei Kanonen und zehn Mann Besatzung. Das Land hatte der Brite im Dienste Österreichs den Häuptlingen Mohaar Capell und Chibauraan Matola abgekauft. Mit der Handelsniederlassung in der Bucht sollte der Handel zwischen Ostafrika und den Häfen an der westindischen Malabarküste erweitert werden.  Ihm standen drei Schiffe zur Verfügung. Geschäftstüchtig besorgte er aus Brasilien Cochenille-Schildläuse, brachte sie in die Delagoa-Bucht, um in einer Fabrik roten Farbstoff herzustellen und diesen u. a. nach Indien zu verkaufen. Im April 1781 machte Portugal diesem Treiben ein Ende. Es schickte eine Fregatte mit 40 Kanonen und 500 Mann aus Goa und vertrieb Bolts Leute aus der Bucht. Die Portugiesen blieben und bauten 1787 eine Festung, die sich auch drohend gegen Österreich richtete. 

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