Lubango / Sá de Bandeira – Aus der Geschichte einer Stadt in Angola

In der Stadt Lubango, die in der Provinz Huíla im Süden des Landes liegt, habe ich zusammen mit meiner Frau einige Zeit verbracht. Die Geschichte der Stadt ist mit einigen der schönsten Plätze der Stadt verbunden und soll im Folgenden beleuchtet werden.

Nossa Senhora do Monte

Nach dem Mittagessen am Sonntag fuhren wir meist zur Senhora do Monte. Das idyllische Fleckchen wuchs uns so ans Herz, dass sein Besuch regelrecht zum Bedürfnis wurde. Es handelte sich um eine winzige Kapelle mit einem seitlich angebauten viereckigen Turm mit Pyramidendach auf einer halbinselförmigen Plattform in den Bergen, von wo der Blick weit über das Tal schweifen konnte und die grünen Berghänge den Augen guttaten. Ein Treppenweg mit breiten und tiefen Stufen führte hinauf, vorbei an einem für religiöse Zeremonien angelegten Platz mit christlichen Insignien und dem Zeichen des Fisches. Noch heute, wenn ich versuche, mir die beeindruckendsten Landschaftsbilder Angolas vor Augen zu führen, taucht neben der Leva das idyllische Kleinod „Nossa Senhora do Monte“ („Maria vom Berge“) auf. Die Idee zu ihrem Bau entstand 1901, als die Stadt der 40 stark religiös geprägten Familien gedachte, die 1885 von der Insel Madeira kamen, unter der Leitung des ersten Bürgermeisters José Augusto den Ort gründeten und ausbauten. Weil auf Madeira eine Andachtsstätte gleichen Namens existierte, wollten die Honoratioren der Stadt eine Kapelle „Nossa Senhora do Monte“ schaffen. Ein Komitee übernahm die Planungsarbeiten, sammelte Spenden, ließ eine Zufahrtsstraße bauen, kaufte das Gelände und beauftragte den Maurer Jacinto Rodrigues und den Zimmermann João da Silva mit den Bauarbeiten. Nachdem sich noch ein Stifter für die Marienstatue mit einer Silberkrone fand, stand der feierlichen Weihe am 14. August 1903 nichts mehr im Wege. 1919 entstanden Pläne für einen Neubau, der am 15. August 1921 übergeben wurde.

Auch der heutige Besucher der schlichten Kapelle wird von ihrem Anblick verzaubert. Es ist nicht nur der Blick auf die sich unten ausbreitende Stadt. Vor allem die links und rechts himmelwärts strebenden Felsenwände, Blumen, Bäume und Sträucher erfüllen den Naturfreund mit einem Gefühl freudiger Leichtigkeit. Wie um den Eindruck zu vertiefen, hat die Natur der Landschaft einen Katarakt hinzugefügt, aus dem wenige Meter von der heiligen Stätte Wasser aus den Felsen springt und der den Beginn des Flüsschens M`cufe bildet.

Hier boten sich alle Motive, mit denen der romantische deutsche Maler Caspar David Friedrich einst die Sehnsucht nach der Ferne als den Grundgedanken seiner Zeit ausdrückte.

Nossa Senhora do Monte, Lubango, 1988

Geschichte der Stadt Lubango

Den Portugiesen galt das Örtchen im wahrsten Sinn des Wortes heilig, denn die Gründung der Stadt blieb stets damit verbunden, dass sie es nicht nur jenen 40 Familien zu verdanken hatte, dass die Stadt florierte. Insgesamt kamen damals etwa 1000 Familien aus dem portugiesischen Madeira, die zahlreiche Orte auf dem felsigen Plateau gründeten und mit den sich entwickelnden Austausch- und Straßenverbindungen ermöglichten, dass sich in Sá da Bandeira Krankenhäuser, Kirchen, eine Kathedrale, Schulen, Banken (darunter eine Filiale der Nationalen Überseebank BNU), Post und Telegrafenamt, Lebensmittelindustrie, moderne Verwaltungsgebäude und der Regionalflugplatz entwickelten. Mit der Bestätigung durch die Berliner Konferenz, Angola sei eine portugiesische Kolonie, zogen sich aus Südafrika angekommene Buren wieder in ihr Stammland zurück und überließen der Kolonialmacht das Feld. Sá da Bandeira blieb eine vorwiegend weiße Stadt, da die Gegend von den Ureinwohnern, der Khoisan-Gruppe, kaum berührt wurde. Die weiße Bevölkerung verließ erst mit der Unabhängigkeit Angolas in den Jahren 1974/75 massenhaft die Stadt und hinterließ ein wirtschaftliches Chaos.

Bereits 1882 versuchten die Portugiesen, den fruchtbaren Landstrich Lubango einzunehmen. Sie scheiterten am Widerstand der schwarzen Bevölkerung unter Führung ihres Häuptlings, der sich Grande Cabeça (Großer Kopf) nannte.

Lubango war der Name eines Flüsschens, das sich in den M´cufe (auch: Mucufi) ergoss. Da er jedoch neue Angriffe befürchtete, verließ der Häuptling mit den bisherigen Bewohnern die Region, und so trafen die 1884 mit dem Transportschiff „India“ in Moçamedes eintreffenden Siedler aus Madeira auf keinen bewaffneten Widerstand. Dieser ersten Gruppe folgte eine zweite, die am 19. Januar 1885 die „Colónia de Sá de Bandeira“ gründete. Dazu mussten sie die schwierige Passage durch die trockene Wüste hinter sich bringen und mühevoll die Bergrücken der Serra da Chela erklimmen. Oben angekommen, bauten sie zunächst Barracões de capim (Graslager) am Ufer des Flusses Caculovar und begaben sich täglich auf die Suche nach fruchtbarem Land und Trinkwasser. So entstand die Stadt in ihren Grundzügen. Jeder baute ein Haus auf der ihm zugewiesenen Erde, legte Gärten und Felder an, begann mit der Tierzucht und freute sich über die auf guter Erde eingebrachte Ernte. Dem freudvollen Beginn folgten Enttäuschungen und Rückschläge in Gestalt kräftigen Raureifs, der nachts die Mühe von Monaten vernichtete. Perioden der Trockenheit wechselten mit langem Regen. Dann fielen Heuschrecken über die Felder her, unbekannte Krankheiten dezimierten die Viehbestände. Aber die Siedler gaben nicht auf. Gemeinsam zogen sie zehn Kilometer Wassergräben, entdeckten 1887, dass hartschaliger Weizen prächtig gedieh. Pfirsiche, Feigen, Kaffee, Süßkartoffeln und die sogenannte englische Kartoffel wurden angebaut und die selbstständige Versorgung gesichert. Als Folgen des wachsenden Wohlstands entstanden der Markt und der Marktplatz, ein Hospital, ein Gefängnis, der Friedhof, die Kaserne und ein Waffenlager, eine Primarschule. Vom Flüsschen Lubango zweigte man Wasser ab und führte es mittels levadas (Wasserleitungen) zu den Bedürftigen. 1900 lebten 1575 Menschen im Ort, darunter 1248 Weiße. 1901 wurde Lubango in den Rang einer Vila (Kleinstadt) de Sá de Bandeira erhoben. Im Hinterland der Provinz fanden bis 1917 noch immer militärische Aktionen zur Eroberung der Chela-Region statt. Am 31. Mai 1923 erreichte die Eisenbahn den Ort, und der zur Eröffnung angereiste General Norton de Matos erklärte ihn zur Cidade (Stadt) Sá da Bandeira. Abschließend sei erwähnt, dass die Luandaer Universität 1963 hier eine Zweigstelle einrichtete.

Lubango 1988 mit Cristo Rei im Hintergrund

Cristo Rei

Den Lubangoer Cristo Rei hatten 2000 Mitglieder der portugiesischen Gemeinde am 30. November 1960 eingeweiht. Er war also bedeutend jünger als das brasilianische Pendant von 1931 auf dem Corcovadoberg über Rio de Janeiro. Mit dem Lubangoer Bau war 1957 begonnen worden. In die zwölf Meter hohe Christusfigur verbauten seine Schöpfer 40 Tonnen Stahlbeton. Sie stand auf einem 13 Meter aufragenden Sockel aus dem gleichen Material. Für die Verkleidung verwendete man künstlichen weißen Marmor. Der Christusfigur widmete man besondere Aufmerksamkeit. Ihr Schöpfer, der Luandaer Bildhauer Gil Barreiros, hatte den Kopf aus weißem Marmor extra in Portugal anfertigen lassen. Zum Zeitpunkt unserer Besuche nagte der Zahn der Zeit schon emsig am Denkmal.

Cristo Rei in Lubango

Angola: Ein Staat stirbt. In: Rainer Grajek: Kreuz und quer durch Afrika. Band 2. Neuentdeckung eines Kontinents. novum pro. 2014. S. 75 – 186.
ISBN 978-3-99038-433-6

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