Mit den beiden umfangreichen Bänden von Rainer Grajek kommen wir zweifellos auf weit über sechs Millionen Quadratkilometer. Das ist viel, selbst für einen Text von mehr als tausend Seiten. Der Autor liebt Afrika seit seiner Kindheit. Damals las er von den Abenteuern deutscher Forschungsreisender in der Sahara, in West- und Ostafrika und andernorts. Diese Lektüre sollte ihn wohl über das Leben in Hitler-Deutschland und später im kommunistischen Deutschland hinwegtrösten.
Das Buch lässt sich in zwei Teile gliedern, die sich in ihrer Originalität unterscheiden. Ein Teil umfasst Aufzeichnungen über Reisen, die er mit seiner Frau nach Kap Verde, Ägypten, Gambia, Marokko, Mauritius, Kenia, Madagaskar, Tansania und Äthiopien unternahm. Mal ist er in Gruppen unterwegs, mal auf eigene Faust. Diese intensiven Erkundungen lassen sich als Kulturtourismus bezeichnen. Da er belesen ist und eine scharfe Beobachtungsgabe besitzt, bietet er auch einige Betrachtungen zur örtlichen Geschichte. In diesem Zusammenhang besucht er in Tansania den deutschen Soldatenfriedhof von Bagamoyo, gegenüber von Sansibar.
Weitaus wertvoller ist er als Autor dort, wo er über zwei ganz besondere Länder schreibt, die er zu einer ebenso besonderen Zeit kennenlernte. Damals konnte er seine Leidenschaft für Afrika endlich ausleben, im engen Korsett der Zusammenarbeit der DDR mit zwei „Bruderländern“ – oder vielleicht auch nur „Cousins“. Gemeint sind Mosambik, wo er fünf Jahre verbrachte (1981–1986), und Angola (1989–1990). In Maputo und Lubango war er als Dozent für Pädagogik tätig.
Über das erste dieser beiden Länder hat er bereits ein früheres Buch veröffentlicht. Dieses ergänzt er hier um seine Erlebnisse in einer Stadt, in der er ganz in der Nähe von Präsident Samora Machel wohnte. Zum Tod seines „Nachbarn“ ist Grajek eine Quelle ersten Ranges: Er war in den mosambikanischen Verwaltungsapparat eingebunden und kennt die Reaktionen seiner afrikanischen Kollegen.
So berichtet er, einige von ihnen seien überzeugt gewesen, Präsident Banda von Malawi habe Machel mit einem Fluch belegt und dadurch dessen Tod verursacht (Band 1, Seite 443). Wenn in einem marxistisch-leninistischen Land Parteifunktionäre Gerüchte über Zauberei aus der Ferne verbreiten, darf man sich nicht wundern, dass die einfachen Leute vor Ort die Botschaft Malawis besetzen. Der Autor schildert dies auf Dutzenden von Seiten mit einer Fülle von Einzelheiten. Ebenso ausführlich behandelt er die Strafen, die gegen „Volksfeinde“ verhängt wurden: Todesurteile, Auspeitschungen und anderes mehr.
Für Angola (Band 2, Seiten 75–186) gewährt er uns einen seltenen Einblick in den Alltag der zivilen Entwicklungshelfer. Sie wurden von den örtlichen Parteisekretären überwacht, die ihrerseits unter der Kontrolle der an der DDR-Botschaft in Luanda stationierten Geheimdienste standen.
Nach dem Abzug der Kubaner im Oktober 1989, den Grajek bedauert, wird die militärische Lage im Südwesten für die MPLA zunehmend schwieriger, während die angolanische Verwaltung verfällt und die UNITA erstarkt.
Dem Leser wird schnell klar, dass der Autor, damals in den Fünfzigern, kein glühender Kommunist war. Er bezeichnet sich jedoch nach wie vor als Antikolonialist. Das hilft ihm wahrscheinlich, seine Liebe zu Afrika mit seiner Vergangenheit in Einklang zu bringen – nahezu sechs Jahre Aufenthalt in zwei Ländern, in denen er im Auftrag der Führung in Pankow tätig war.