Rationierungen in Maputo 1986 und 1982 im Vergleich

Beim Durchsehen meines Archivs an Zeitungsartikeln aus Mosambik ist mir folgender Aufruf für die monatlichen Rationen aus der Zeitung Notícias vom 25.04.1986 in die Hände gefallen.

Im Mai des Jahres 1986 galt pro Person in Maputo:

Getreideprodukte
Reis
Mais
Maismehl
Teigwaren
5 kg / Person
2,5 kg / Person
Zucker 1 kg / Person
Öl
1-3 Personen
4-6 Personen
7-9 Personen
10 und mehr Personen

0,5 kg / Familie
1,0 kg / Familie
1,5 kg / Familie
2,0 kg / Familie
Batterien 4 Einheiten / Familie
Fisch 0,5 kg / Person

In meinem Buch „Berichte aus dem Morgengrauen. Als Entwicklungshelfer der DDR in Mosambik“ dokumentiere ich ausführlich die Auswirkungen der großen Trockenheit im Jahr 1982. Diese führte ebenfalls zur Rationierung von Lebensmitteln:

„Die vier Verteilerzentren in den Stadtteilen Matola, Machava, Chamanculo und Maxaquene mussten infolge der eingetretenen Wasserverknappung zur rationierten Abgabe übergehen. Besonders für die bisher schon unzureichend versorgten Teile der Zementstadt – Alto Maé, Malhangalene und Bairro Central – wurde die Lage noch schwieriger. Das Programm zur Verbesserung der Situation sah vor, bis 1986 die Auffangkapazität der Station zu erweitern, das Pumpensystem zu verbessern und neue Rohre für den Wassertransport vom Rio Umbeluzi nach Matola und von da nach Machava zu legen. Außerdem sollte ein bedeutendes Projekt, nämlich die hydrogeologische Erkundung der Grundwasservorräte im Norden Maputos, von den Stadtteilen Costa de Sol und Mahotas ausgehend bis hin nach Marracuene in Angriff genommen werden.

Tagebuch.

16. Oktober 1982:

Die Sowjetunion hat 12.000 Tonnen Weizen für die Opfer der Trockenheit geschickt. Weitere 2.500 Tonnen Reis werden demnächst noch eintreffen. Unsere Wassersituation hat sich etwas gebessert, wir schleppen aber nach wie vor eimerweise. Auch in Südafrika schlimmste Trockenheit seit vielen Jahren (Quellen der mosambikanischen Flüsse liegen zum Teil in Südafrika).

21. Oktober 1982:

Die FAO-Regionalkonferenz in Algerien veröffentlicht folgende Fakten: 72 Millionen von 475 Millionen Bewohnern Afrikas leiden an chronischem Hunger (etwa 15 Prozent). In den letzten zehn Jahren: Zuwachs der landwirtschaftlichen Produktion um 18 Prozent; Zunahme der Bevölkerung um 32 Prozent! Die von der FAO gegebenen Zahlen war alarmierend. Über ein Jahr danach trug ich in das Tagebuch folgende Notizen ein.

15. November 1983 (nach „Notícias“):

Mosambik braucht 250.000 Tonnen Getreide für die nächsten fünf Monate in den Trockengebieten. Es gibt keinerlei staatliche Nahrungsmittelreserven mehr (alles aufgebraucht). In einigen Gebieten hat es seit fünf Jahren nicht mehr geregnet. Katastrophe, wenn nächste Ernte auch wieder ausfällt! FAO gibt bekannt: Über 200 Millionen Afrikaner sind unterernährt. Nationaleinkommen der Länder südlich der Sahara überschreitet seit zwei Jahren nicht den Zuwachs von 0,2 Prozent: jetzt gesunken auf 0,1 Prozent (nach Studie der Weltbank).

Doch zurück ins Jahr 1982. Auch am 2. Dezember notierte ich:

Seit Tagen katastrophale Wasserknappheit. Der Umbeluzi führt kaum noch Wasser. Im „Lido“, unserem Häuserblock, kommt kein Tropfen an. Ute weiter in der „Wasserbicha“. Was alle befürchtet hatten, war zur Gewissheit geworden: Die Trockenheit hielt an, breitete sich aus, befiel in ihrer zerstörerischen Tätigkeit besonders die südlichen Provinzen. Am letzten Tag des Monats schrieb „Notícias“, dass der Rio Incomati bei Mombane ausgetrocknet sei und dass in jenem Gebiet bis Dezember 1982 etwa 40.000 von 120.000 Rindern verendet seien. Die gesamte Maisernte in den familiär betriebenen Machambas sei vernichtet, die Kooperativen hätten 50 Prozent Verluste zu beklagen. Und: bis zum nächsten November sei kein Regen zu erwarten. Ohne Wasser gedeiht keine Ernte auf der Machamba. Keine Ernte – das heißt Krankheit und Tod für die Schwachen. Aber wie lange halten es die Starken ohne Trinken aus? Eines Morgens, wenige Schritte vom Ministerium entfernt, lag auf dem als Parkplatz dienenden Mittelstreifen der Straße ein etwa zwölfjähriger Junge mit aufgedunsenem Bauch, bewegungslos, unfähig, sich zu erheben, als besorgte Passanten sich über ihn beugten. Später kam ein Auto der Polizei und nahm ihn mit. Am nächsten Morgen lag er fast an der gleichen Stelle wie am Vortag. Ich dachte fast den ganzen Tag daran, wie behütet unser zweijähriger Andreas war, dachte an die Kinder zu Hause, die morgens aus dem Bett aufstehen, mit Selbstverständlichkeit ihr Frühstück zu sich nehmen, ihre Milch oder ihren Tee trinken. Auch Wasser? Welches Kind in der DDR trinkt eigentlich Wasser? Klares, kühles, gesundes …“

Getreideprodukte
Reis
Mais
Maismehl
Teigwaren
4,5 kg / Person
2,5 kg / Person
Zucker
Brauner Zucker
Weißer Zucker
2 kg / Person
1,5 kg / Person
0,5 kg / Person
Öl 0,5 kg / Person
Hygieneartikel 0,5 kg / Person
Nüsse 0,5 kg / Person
Weizenmehl 0,5 kg / Person

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